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Erste Wohnung, erstes Gehalt: Dein Finanzplan für den Start

Um deine erste Wohnung in Deutschland zu mieten, bereite €4.000-6.000 vor: Kaution (bis zu drei Monatskaltmieten gesetzlich), erste Miete, Einrichtungskosten und Versicherung [1]. Dann brauchst du ein Geldverwaltungssystem — nicht weil du es nicht kannst, sondern weil es dir niemand beigebracht hat.

Psychologische Dimension

Die erste Wohnung ist ein Symbol für Erwachsensein, Unabhängigkeit, finanzielle Kompetenz. Wenn Kollegen Wohnungen kaufen, während du ein Zimmer mietest — entsteht Vergleich. Wenn Eltern bis 35 in staatlichem Wohnraum lebten und nicht an Miete dachten — hast du kein Referenzmodell.

Füge die Notwendigkeit hinzu, Dutzende finanzielle Entscheidungen gleichzeitig zu treffen (welche Möbel, welche Versicherung, wie viel sparen), und du bekommst klassische Wahlüberlastung. Das ist normal. Das ist vorübergehend. Das ist kein Indikator deiner Kompetenz.

Startkapital: Wie viel du brauchst

Realistische Schätzung für deutsche Städte (2025):

AusgabenpositionBetragErklärung
Kaution€1.500-2.700Gesetzlich maximal 3 Monatskaltmieten (ohne Nebenkosten) [1]
Erste Miete€800-1.200Warmmiete (mit Nebenkosten) für ersten Monat
Maklergebühr€0-1.800Seit 2015 zahlt, wer bestellt (meist Vermieter) [2]
Einrichtung (Möbel, Geräte)€500-2.000Abhängig von Strategie: neu vs. gebraucht
Haftpflichtversicherung€50-80/JahrMuss vor Einzug abgeschlossen werden [3]
Reserve für Unvorhergesehenes€500Erste Reparatur, Ersatz für Kaputtes
Gesamt€4.000-6.000Minimum für sicheren Start

Wenn du diesen Betrag nicht hast:

  • Miete ein Zimmer in WG (Wohngemeinschaft), nicht separate Wohnung — Kaution ist 2-3x kleiner
  • Kaufe Möbel bei eBay Kleinanzeigen, Facebook Marketplace — spare 60-80%
  • Manche Vermieter akzeptieren Mietkautionsbürgschaft (Bankgarantie statt Barkaution) — nachfragen [4]

Geldverwaltungssystem: Die 60-30-10 Regel

Die klassische amerikanische 50-30-20 Regel (50% für Notwendiges, 30% für Wünsche, 20% fürs Sparen) funktioniert nicht in deutschen Städten. Miete frisst 30-40% des Gehalts, plus höhere Steuern. Realistische Version — 60-30-10:

KategorieProzentWas enthalten ist
Fixkosten + Notwendiges60%Miete, Versicherungen, Transport, Lebensmittel, Nebenkosten
Leben + Unterhaltung30%Restaurants, Reisen, Hobbys, Kleidung
Sparen + Investieren10%Notgroschen → langfristige Ersparnisse

Beispiel: Nettogehalt €2.500/Monat

  • €1.500 — Miete €800, Lebensmittel €300, Transport €100, Versicherungen €80, Nebenkosten €20, Rest für Notwendiges
  • €750 — Restaurants, Sport, Reisen, Unterhaltung
  • €250 — Ersparnisse

Psychologisch wichtig: 30% fürs Leben ist keine Verschwendung. Es ist Investition in Anpassung, soziale Verbindungen, mentale Gesundheit. Mach dir keine Vorwürfe wegen Kaffee mit Kollegen — das ist Teil der Integration.

Wenn die Regel nicht funktioniert:

  • Erste 6 Monate: Einrichtungskosten höher, Ersparnisse können 0% sein — das ist normal
  • Einkommen unter €1.800 netto: 60% gehen fürs Überleben, 10% Ersparnisse unrealistisch — Fokus auf Einkommenssteigerung
  • Schulden aus Herkunftsland: erst Schulden schließen, dann Ersparnisse

Deutsche Begriffe, die du kennen musst

Deutscher BegriffErklärung
KaltmieteMiete ohne Nebenkosten (Heizung, Wasser)
WarmmieteMiete mit Nebenkosten
NebenkostenZusatzkosten: Heizung, Wasser, Müll, Treppenhausreinigung
KautionMietkaution; gesetzlich maximal 3 Monatskaltmieten, wird bei Auszug zurückgegeben (falls keine Schäden)
SchufaKreditauskunftei; sammelt Daten über deine Bonität; Vermieter verlangen oft Auskunft
HaftpflichtversicherungDeckung für Schäden, die du versehentlich anderen zufügst (fremdes Handy zerbrochen, Nachbarn überflutet) — kritisch wichtig
WG (Wohngemeinschaft)Zimmer in Wohnung mit anderen Mietern, gemeinsame Küche/Bad

Dein erstes Monatsbudget (Beispiel)

PositionBetrag
Einnahmen
Nettogehalt2.000€
Fixkosten (60%)
Miete warm700€
Strom50€
Internet30€
Handy20€
Rundfunkbeitrag18,36€
Haftpflicht5€
BU-Versicherung50€
Essen250€
ÖPNV/Transport50€
Summe Fixkosten1.173€
Variabel (30%)
Freizeit, Kleidung, etc.600€
Sparen (10%)
Notgroschen/Sparplan200€
Puffer27€

Phase 3: Die wichtigsten Versicherungen

Sofort nötig

VersicherungKosten/MonatWarum jetzt
Privathaftpflicht4-7€Ab 1. Tag in eigener Wohnung
Auslandskranken1-2€Falls du reist

In den ersten Monaten

VersicherungKosten/MonatWann
Berufsunfähigkeit40-80€So früh wie möglich (günstiger)
Hausrat5-15€Wenn du wertvolle Sachen hast

Nicht vergessen: Eltern-Versicherungen prüfen

VersicherungOft mitversichert bis
HaftpflichtEnde erste Ausbildung/25 Jahre
Krankenversicherung25 Jahre (Familienversicherung)

Immer nachfragen, ob du noch mitversichert bist!

Phase 4: Notgroschen aufbauen

Warum das Priorität hat

Ohne Notgroschen führt jede Überraschung zum Dispo:

  • Waschmaschine kaputt → Dispo
  • Nachzahlung Nebenkosten → Dispo
  • Laptop kaputt → Dispo

Ziel: 1.000€ Sofort-Puffer

MethodeWie
Automatisch sparen100€/Monat auf Tagesgeld
EinmalzahlungenWeihnachtsgeld, Steuererstattung
SparwochenBewusst günstig leben, Rest sparen

Phase 5: Erste Investitionen

Die Reihenfolge

  1. ✅ Notgroschen 1.000€ ← Erst das!
  2. ✅ Versicherungen ← Dann das
  3. ✅ Teure Schulden weg ← Falls vorhanden
  4. 🎯 ETF-Sparplan starten ← Jetzt!

Minimal-Setup

WasWie
DepotTrade Republic, Scalable (kostenlos)
ETFVanguard FTSE All-World
Sparplan25-50€/Monat
Freistellungsauftrag1.000€ einrichten

Checkliste: Erste Wohnung

Vor dem Einzug

  • Schufa-Auskunft bestellt
  • Kaution gespart/organisiert
  • Erste Miete + Kaution bereit
  • Einrichtungsbudget geplant

Im ersten Monat

  • Privathaftpflicht abgeschlossen
  • Strom angemeldet
  • Internet bestellt
  • Rundfunkbeitrag angemeldet
  • Budget aufgestellt
  • Daueraufträge eingerichtet

In den ersten 3 Monaten

  • Notgroschen gestartet
  • BU-Versicherung abgeschlossen
  • Tagesgeldkonto eröffnet
  • Depot eröffnet
  • Ersten Sparplan eingerichtet
  • Freistellungsauftrag eingerichtet

Im ersten Jahr

  • Notgroschen bei 1.000€+
  • Nebenkosten-Nachzahlung eingeplant
  • Sparrate erhöht (wenn möglich)
  • Steuererklärung gemacht

Typische Fehler vermeiden

❌ Fehler✅ Besser
Erste Wohnung zu teuerMax. 40% vom Netto für Wohnen
Alles neu kaufenGebraucht starten, später upgraden
Keine VersicherungenHaftpflicht ab Tag 1
Kein BudgetErste 3 Monate tracken
Lifestyle-Inflation50% jeder Gehaltserhöhung sparen
"Sparen kann ich später"Je früher, desto mehr Zinseszins

Kosten, die Anfänger unterschätzen

PositionTypische Überraschung
Nebenkosten-Nachzahlung200-500€ nach erstem Jahr
GEZ (Rundfunkbeitrag)220€/Jahr (oft vergessen)
EinrichtungSchnell 2.000€+ zusammen
HaushaltsgeräteWaschmaschine allein 300-500€
Umzugskosten500-1.000€+

Die wichtigsten Zahlen

  • 3 Kaltmieten maximale Kaution
  • 30-40% vom Netto sollte Miete maximal sein
  • 1.000€ Ziel für ersten Notgroschen
  • 60-30-10 realistische Budgetregel für Großstädte
  • 18,36€ Rundfunkbeitrag pro Monat
  • 4-7€ kostet gute Haftpflicht pro Monat

FAQ

Wohnung vs. WG — was ist günstiger? WG ist meist deutlich günstiger (oft halb so teuer), aber weniger Privatsphäre. Für den Start oft sinnvoll.

Wie viel Puffer sollte ich vor dem Einzug haben? Minimum: 3x Kaltmiete (Kaution) + 2x Warmmiete (erste Miete + Puffer) + 500€ Einrichtung = bei 600€ kalt ca. 4.000€

Was, wenn ich mir keine BU leisten kann? Priorität: Haftpflicht (Pflicht) > Notgroschen > BU. Aber: Je früher BU, desto günstiger. Vielleicht mit kleiner Rente starten.

Quellen

  1. § 551 BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) — Begrenzung der Mietsicherheit. Bundesministerium der Justiz. https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__551.html
  2. Bestellerprinzip bei der Maklerprovision. Bundesministerium der Justiz, 2015. https://www.bmj.de/DE/themen/verbraucherschutz/mietrecht/bestellerprinzip/bestellerprinzip_node.html
  3. Haftpflichtversicherung: Warum sie so wichtig ist. Verbraucherzentrale, 2025. https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/geld-versicherungen/weitere-versicherungen/haftpflichtversicherung-warum-sie-so-wichtig-ist-5000
  4. Mietkautionsbürgschaft als Alternative zur Barkaution. Stiftung Warentest, 2024. https://www.test.de/Mietkaution-Buergschaft-statt-Bargeld-5045622-0/
  5. Schufa-Auskunft kostenlos bestellen. meineSCHUFA.de. https://www.meineschufa.de/
  6. Anmeldung beim Einwohnermeldeamt. Bundesmeldegesetz § 17. https://www.gesetze-im-internet.de/bmg/__17.html
  7. Deutscher Mieterbund e.V. — Interessenvertretung für Mieter. https://www.mieterbund.de/
  8. Schuldnerberatung — kostenlose Beratung bei Überschuldung. Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung e.V. https://www.bag-sb.de/