Krankenversicherung
In Deutschland ist die Krankenversicherung Pflicht für alle.
Zwei Systeme im Überblick
| GKV (gesetzlich) | PKV (privat) | |
|---|---|---|
| Vollständiger Name | Gesetzliche Krankenversicherung | Private Krankenversicherung |
| Beitrag | ~17,5% vom Einkommen (14,6% Grundbeitrag + ~2,9% durchschnittlicher Zusatzbeitrag 2026; Arbeitgeber zahlt die Hälfte) | Festbetrag, abhängig von Alter und Gesundheit |
| Leistungen | Standardisiert für alle | Individuell, oft umfangreicher |
| Familie | Kostenlos (Familienversicherung) bei Einkommen des Familienmitglieds unter 565€/Monat (2026) | Jedes Mitglied zahlt separat |
Wer kann PKV wählen?
- Angestellte mit Einkommen über 77.400 €/Jahr (2026)
- Selbstständige und Freiberufler
- Beamte
GKV — Gesetzliche Krankenversicherung
Vorteile
- Beitrag einkommensabhängig
- Kostenlose Familienversicherung (bei Einkommen unter 565€/Monat, 2026)
- Einfacher Wechsel zurück
Nachteile
- Eingeschränkte Arztwahl
- Längere Wartezeiten bei Fachärzten
- Geringere Leistungen (z.B. Zahnersatz)
Beliebte Krankenkassen
TK (Techniker), Barmer, DAK, AOK
PKV — Private Krankenversicherung
Vorteile
- Schnellerer Zugang zu Ärzten
- Umfangreichere Leistungen
- Bessere Bedingungen im Krankenhaus
Nachteile
- Beiträge steigen mit dem Alter
- Wechsel zurück zur GKV nach 55 praktisch unmöglich (Verschärfung ab 2026)
- Familie nicht inklusive
Wenn du als Freiberufler PKV gewählt hast, ist der Wechsel zurück zur GKV schwierig. Überlege gut, besonders wenn du eine Familie planst.
Entscheidungshilfe
| Situation | Empfehlung |
|---|---|
| Jung, gesund, hohes Einkommen, keine Familie | PKV kann vorteilhaft sein |
| Familienplanung | Eher GKV |
| Selbstständig mit schwankendem Einkommen | Eher GKV |
| Beamte | PKV (Staat übernimmt Teil der Kosten) |
Die wichtigsten Zahlen
- 77.400 € Versicherungspflichtgrenze (2026)
- 14,6% allgemeiner Beitragssatz GKV (+ Zusatzbeitrag)
- Ab 55 Jahren — Wechsel zurück zur GKV praktisch unmöglich (seit 2026)
- 0 € kostet die Familienversicherung für Ehepartner und Kinder in der GKV
FAQ
Die PKV-Falle: Beiträge steigen, Rückkehr in die GKV blockiert. Was tun?
Die Rückkehr von der PKV in die GKV ist gesetzlich eingeschränkt und ab 55 Jahren praktisch unmöglich (§ 6 Abs. 3a SGB V, verschärft 2026). Vor 55: (1) Angestelltenverhältnis mit Einkommen unter der Versicherungspflichtgrenze (77.400 €/Jahr, 2026); (2) Arbeitslosmeldung bei der Arbeitsagentur; (3) Beschäftigung in einem EU-Land mit Pflichtversicherung, dann Rückkehr. Innerhalb der PKV: Es besteht ein gesetzliches Recht auf internen Tarifwechsel nach § 204 VVG — ohne Gesundheitsprüfung, Altersrückstellungen bleiben erhalten. Beispiel: Tarifwechsel senkte den Beitrag von 810 auf 690 €/Monat (Ersparnis 4.680 €/Jahr) ohne Leistungsverlust.
PKV-Beiträge um 13–18 % gestiegen. Ist das rechtmäßig?
Die durchschnittliche PKV-Beitragserhöhung 2026 beträgt 13 %, einzelne Tarife steigen um 60 %+ (2025: durchschnittlich 18 %). Erhöhungen sind legal, wenn der Versicherer die formalen VVG-Anforderungen erfüllt. Allerdings ist nicht jede Erhöhung rechtmäßig — bei formalen Fehlern im Mitteilungsschreiben kann angefochten und bis zu 3 Jahre Überzahlung zurückgefordert werden. Verfügbare Instrumente: (1) interner Tarifwechsel nach § 204 VVG; (2) Selbstbehalt erhöhen; (3) Sonderkündigungsrecht innerhalb von 2 Monaten nach Erhalt des Erhöhungsschreibens nutzen.
Was passiert, wenn man in Deutschland ohne Krankenversicherung lebt?
Seit 2009 ist die Krankenversicherung für alle in Deutschland lebenden Personen Pflicht. Folgen einer Lücke: (1) bei späterer GKV-Anmeldung Nachzahlung für den gesamten unversicherten Zeitraum zu ~50 % des regulären Beitrags; (2) Zinsen und Säumniszuschläge obendrauf; (3) ohne Versicherung kann der Aufenthaltstitel nicht verlängert werden; (4) Ärzte können nicht-notfallmäßige Behandlung ablehnen. Beispiel: 6 Monate ohne Versicherung bei 450 €/Monat Beitrag = ~1.350 € Nachzahlung. Eine Versicherung ab dem ersten Tag in Deutschland schließt diese Folgen aus.
Krankenversicherung für Selbstständige: Warum 800+ €/Monat und wie senken?
Selbstständige in der GKV zahlen den vollen Beitragssatz (~17,5 % in 2026) ohne Arbeitgeberanteil. Mindestbeitrag: ~220 €/Monat (auch bei Nulleinkommen); Höchstbeitrag: über 1.000 €/Monat. Einflussfaktoren auf die Beitragshöhe: (1) Krankenkasse wechseln — Zusatzbeiträge variieren, Ersparnis 100+ €/Jahr; (2) sicherstellen, dass Beiträge vom Gewinn (nicht Umsatz) berechnet werden; (3) bei kreativen Berufen: Antrag bei der Künstlersozialkasse (KSK), die 50 % der Beiträge übernimmt; (4) 100 % der Basisbeiträge für Kranken- und Pflegeversicherung in der Steuererklärung absetzen.
Familienversicherung: Wer hat Anspruch auf kostenlosen Versicherungsschutz?
Die Familienversicherung ist die kostenlose Mitversicherung von Familienangehörigen in der GKV. Sie gilt für Ehepartner ohne Einkommen oder mit Einkommen unter der Grenze (~505 €/Monat) und Kinder bis 18 (bis 25 bei Studium). In der PKV gibt es kein Äquivalent — jedes Familienmitglied zahlt eigene Beiträge. Das ist das Hauptargument für die GKV bei Familienplanung: Zwei Kinder und ein nicht berufstätiger Ehepartner kosten in der GKV nichts extra; in der PKV sind das 3 zusätzliche Policen.
Quellen
- BMAS: Sozialversicherungs-Rechengrößenverordnung 2026 — Rechengrößen der Sozialversicherung 2026
- AOK: Rechengrößen 2026 — Beitragssatz 14,6% und Zusatzbeitrag
- VdeK: Änderungen für gesetzlich Versicherte 2026 — Neue Einkommensgrenzen für Familienversicherung
- PKV-Verband: Versicherungspflichtgrenze 2026 — Jahresarbeitsentgeltgrenze 77.400€
- VGSD: Rückkehr in die GKV nach 55 — Verschärfung ab 2026
- Finanztip: Krankenversicherungspflicht — Pflicht zur Krankenversicherung in Deutschland