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Immobilien

Immobilieninvestitionen in Deutschland erfordern von €20.000 für indirekte Anlagen (REITs, ETFs) bis €100.000+ für direkten Kauf mit Nebenkosten von 7-15%. Die Hauptbarriere ist die hohe Einstiegsschwelle und geringe Liquidität bei direktem Eigentum. Für die meisten Einwanderer in der Boat-Phase sind indirekte Investitionen über ETFs rationaler als direkter Kauf.

Investitionsmöglichkeiten in Immobilien

Es gibt vier Hauptwege, in Immobilien zu investieren, die sich in Einstiegsschwelle und Beteiligungsgrad unterscheiden [1].

MethodeMindestkapitalLiquiditätVerwaltungGeeignet für
Eigenheim€80.000-150.000 (20% Anzahlung + Kaufnebenkosten)Niedrig (Monate)VollständigLadder-Phase, Planung für 10+ Jahre
Vermietung€100.000+Niedrig (Monate)VollständigLadder-Phase, Bereitschaft für operative Arbeit
REITs/ETFAb €25Hoch (1 Tag)KeineBoat/Ladder-Phase, passive Diversifikation
Crowdfunding€500-10.000Niedrig (Jahre)KeineLadder-Phase, hohes Risiko

Kaufen oder Mieten (zum Wohnen)

Dies ist eine Entscheidung mit hoher emotionaler Belastung für Einwanderer. Nach der Erfahrung von Instabilität entsteht ein starker Wunsch, "endlich etwas Eigenes zu besitzen". Die Mathematik ist ein Faktor. Das psychologische Bedürfnis nach Stabilität ist ein anderer, und es ist nicht irrational.

Kriterien für den Kauf

Kaufen macht finanziell Sinn, wenn alle Bedingungen gleichzeitig erfüllt sind [2]:

  • Besitzdauer: 10+ Jahre (wegen hoher Kaufnebenkosten von 7-15%)
  • Anfangskapital: mindestens 20% des Wertes + Kaufkosten
  • Einkommensstabilität: 2+ Jahre in Deutschland gearbeitet, unbefristeter Vertrag
  • Preisverhältnis: jährliche Miete beträgt mehr als 4% des Kaufpreises (1:25-Regel)

Kriterien für weiteres Mieten

Mieten ist rationaler, wenn mindestens ein Faktor zutrifft:

  • Standortunsicherheit: nicht sicher, 10+ Jahre in der Stadt zu bleiben
  • Karrieremobilität: Jobwechsel könnte Umzug erfordern
  • Kapitalmangel: keine 20%+ für Anzahlung ohne Erschöpfung des Notfallfonds
  • Alternative Renditen: Differenz zwischen Hypothek und Miete kann in ETFs mit langfristiger Rendite von 7% jährlich investiert werden [3]

Psychologische Dimension: Wenn Sie ein akutes Bedürfnis verspüren, eine Wohnung zu kaufen — dies ist ein Signal zur Analyse, nicht zum sofortigen Handeln. Was steckt hinter diesem Wunsch? Stabilität? Status? Kontrolle? Jedes dieser Bedürfnisse kann auf andere Weise mit geringerem finanziellem Risiko befriedigt werden.

Zusätzliche Kosten beim Kauf

Kaufnebenkosten betragen 7-15% des Immobilienpreises. Dieses Geld wird zusätzlich zum Immobilienwert gezahlt und wird beim Verkauf nicht zurückerstattet. Dies macht den Kauf bei Besitz von weniger als 10 Jahren unrentabel [4].

KostenBetragBeispiel für €400.000
Grunderwerbsteuer3,5-6,5% (je nach Bundesland)€14.000-26.000
Notar1,0-1,5%€4.000-6.000
Grundbucheintragung0,5%€2.000
Makler0-7,14% (geteilt mit Verkäufer)€0-28.560
Gesamt7-15%€28.000-60.000

Wichtig: Die Grunderwerbsteuer variiert nach Bundesländern. In Bayern und Sachsen — 3,5%, in Brandenburg und Thüringen — 6,5% [5]. Die Maklerprovision ist seit 2020 gesetzlich geregelt: Käufer und Verkäufer teilen sie zu gleichen Teilen, aber der Verkäufer kann auf den Makler verzichten (dann Provision = 0%).

Investmentimmobilie (Vermietung)

Der Kauf von Immobilien zur Vermietung ist ein operatives Geschäft, kein passives Einkommen. Es erfordert Mieterverwaltung, Reparaturen, rechtliche Unterstützung. Die Bruttomietrendite in deutschen Großstädten beträgt 3-5% jährlich [6]. Nach Abzug von Steuern, Instandhaltung und Leerständen liegt die Nettorendite oft unter der eines diversifizierten ETF-Portfolios.

Faktoren für direktes Eigentum

FaktorBeschreibung
Regelmäßiges EinkommenMonatliche Miete (bei vorhandenem Mieter)
WertsteigerungLangfristiges Wachstum der Immobilienpreise (historisch 2-3% jährlich [7])
SteuerabzügeAbschreibung (2-2,5% pro Jahr), Reparaturkosten, Hypothekenzinsen von steuerpflichtigem Einkommen abziehbar
Nutzung von FremdkapitalHebelwirkung erhöht Rendite auf Eigenkapital

Faktoren gegen direktes Eigentum

FaktorBeschreibung
Hohe EinstiegsschwelleMindestens €100.000 Eigenkapital (20% + Kaufnebenkosten)
Operative ArbeitMietersuche, Reparaturen, Buchhaltung, rechtliche Fragen
LeerstandsrisikoZeitraum ohne Mieter = kein Einkommen, aber Kosten bleiben
Problematische MieterrisikoMieterschutz in Deutschland ist hoch, Räumung dauert Monate [8]
Geringe LiquiditätVerkauf dauert 3-12 Monate, Kaufnebenkosten fressen Gewinn bei Besitz unter 10 Jahren
KonzentrationsrisikoGesamtes Kapital in einer Immobilie, einer Stadt, einem Land

Alternative: REITs und Immobilien-ETFs bieten Zugang zum Immobilienmarkt ohne operative Arbeit und mit voller Liquidität.

REITs und Immobilien-ETFs

REITs (Real Estate Investment Trusts) ermöglichen Immobilieninvestitionen ab €25 mit voller Liquidität. Der Fonds besitzt Gewerbe- und Wohnimmobilien, sammelt Mieteinnahmen und verteilt Erträge an Investoren. Immobilien-ETFs kaufen Anteile vieler REITs und bieten Diversifikation [9].

Beispiele für ETFs

Die nachstehenden Beispiele veranschaulichen verfügbare Optionen, sind aber keine Kaufempfehlungen. Bewerten Sie Fonds nach Kriterien: Diversifikation, Kosten (TER), Liquidität, Währungsrisiko.

ETFWas enthalten istTERBesonderheiten
iShares Developed Markets Property Yield UCITS ETFREITs aus entwickelten Märkten (USA, Europa, Japan)0,59%Breite Diversifikation
Xtrackers FTSE EPRA/NAREIT Developed Europe Real Estate UCITS ETFEuropäische Immobilien0,33%Fokus auf Europa, reduziertes Währungsrisiko

Bewertungskriterien

KriteriumBedeutung
DiversifikationREITs investieren in Hunderte von Objekten verschiedener Typen (Büros, Einkaufszentren, Lagerhäuser, Wohnungen) in verschiedenen Ländern
EinstiegsschwelleAb €25 (Kosten eines ETF-Anteils)
LiquiditätVerkauf innerhalb 1 Handelstag an der Börse
VerwaltungPassiv — Fonds verwaltet Immobilien, Sie besitzen nur Anteile
BesteuerungDividenden als Kapitaleinkommen besteuert (Kapitalertragsteuer 25% + Soli) [10]
RisikoREIT-Aktienpreise schwanken mit dem Markt, können volatiler sein als direktes Eigentum

Psychologischer Faktor: REITs vermitteln nicht das Gefühl, "eine Wohnung zu besitzen". Wenn Ihr Bedürfnis Stabilität und Kontrolle ist, werden Immobilien-ETFs dieses Bedürfnis nicht befriedigen, obwohl sie mathematisch effizienter sein können.

Immobilienbesteuerung

Steuer beim Verkauf

Gewinn aus Immobilienverkauf wird nicht besteuert, wenn Sie die Immobilie länger als 10 Jahre besessen haben. Dieser Zeitraum wird Spekulationsfrist genannt [11]. Bei früherem Verkauf wird der Gewinn mit Ihrem Einkommensteuersatz besteuert (bis zu 45% + Soli).

BesitzdauerGewinnsteuer
10+ Jahre0% (Befreiung)
Weniger als 10 JahreBis zu 45% (Teil der Einkommensteuer)

Ausnahme: Wenn die Immobilie in 2 der letzten 3 Jahre vor dem Verkauf Ihr Hauptwohnsitz war, keine Steuer unabhängig von der Besitzdauer [12].

Berechnungsbeispiel: Wohnung für €300.000 gekauft, für €400.000 nach 7 Jahren verkauft. Gewinn = €100.000. Bei 35% Steuersatz zahlen Sie €35.000 Steuer. Hätten Sie bis zu 10 Jahren Besitz gewartet — Steuer 0.

Steuer bei Vermietung

Mieteinnahmen werden als reguläres Einkommen besteuert (bis zu 45% + Soli). Aber Sie können Ausgaben abziehen [13]:

Abziehbare AusgabenBeispiele
Abschreibung (AfA — Absetzung für Abnutzung)2-2,5% des Gebäudewerts jährlich (Grundstück wird nicht abgeschrieben)
HypothekenzinsenVollständig abziehbar
Reparatur und InstandhaltungInstandhaltung (laufende Reparaturen), Hausgeld (Gebäudewartungsgebühren)
VerwaltungsgesellschaftWenn Hausverwaltung beauftragt
VersicherungGebäudeversicherung
NebenkostenWenn nicht auf Mieter umgelegt

Zu versteuerndes Nettoeinkommen = Mieteinnahmen − alle Ausgaben.

Typische Situation: In den ersten Jahren können die Ausgaben (Zinsen + Abschreibung) die Einnahmen übersteigen, was einen steuerlichen Verlust schafft, der Ihre Gesamteinkommensteuer senkt.

Grundsteuer

Jährliche Steuer auf Immobilienbesitz. Wird von der Gemeinde auf Basis des Einheitswerts berechnet. Im Durchschnitt €200-600 pro Jahr für eine Wohnung [14]. Bei Vermietung kann sie über Nebenkostenabrechnung auf Mieter umgelegt werden.

Quellen

  1. Immobilienverband Deutschland (IVD), "Investieren in Immobilien: Formen und Strategien", IVD Research, https://ivd.net/immobilieninvestments/ (Stand 2024)
  2. Stiftung Warentest, "Kaufen oder Mieten: Was sich wann lohnt", Finanztest 10/2024, https://www.test.de/Mieten-oder-kaufen-Wann-sich-der-Immobilienkauf-lohnt-5906192-0/
  3. Deutsches Aktieninstitut, "Renditedreieck DAX 1948-2024", https://www.dai.de/renditedreieck/ (historische Aktienmarktrenditen)
  4. Notarkammer, "Kaufnebenkosten beim Immobilienerwerb", Bundesnotarkammer, https://www.notar.de/themen/immobilien/kaufnebenkosten (Stand 2024)
  5. Bundesministerium der Finanzen, "Grunderwerbsteuer nach Bundesländern", Stand 2024, https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Standardartikel/Themen/Steuern/Steuerarten/Grunderwerbsteuer/grunderwerbsteuer.html
  6. Verband deutscher Pfandbriefbanken (vdp), "Immobilienpreisindex und Mietrenditen Deutschland 2024", vdp Research, https://www.pfandbrief.de/site/de/vdp/research.html
  7. Bundesbank, "Immobilienmarkt Deutschland – Preisentwicklung 2000-2024", Monatsbericht Januar 2024, https://www.bundesbank.de/de/publikationen/berichte/monatsberichte
  8. Deutscher Mieterbund, "Mietrecht: Kündigungsschutz und Räumungsverfahren", https://www.mieterbund.de/mietrecht/kuendigungsschutz.html (Stand 2024)
  9. BaFin, "REITs: Grundlagen und Regulierung", Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, https://www.bafin.de/DE/Verbraucher/GeldanlageWertpapiere/Anlageformen/REIT/reit_node.html
  10. Bundesministerium der Finanzen, "Abgeltungsteuer und Besteuerung von Kapitalerträgen", Stand 2024, https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Standardartikel/Themen/Steuern/Weitere_Steuerthemen/Abgeltungsteuer/abgeltungsteuer.html
  11. § 23 Einkommensteuergesetz (EStG), "Private Veräußerungsgeschäfte — Spekulationsfrist", aktuelle Fassung, https://www.gesetze-im-internet.de/estg/__23.html
  12. § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG, "Steuerbefreiung bei Eigennutzung", https://www.gesetze-im-internet.de/estg/__23.html
  13. Bundesministerium der Finanzen, "Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung — Werbungskosten", BMF-Schreiben, https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Downloads/BMF_Schreiben/Steuerarten/Einkommensteuer/2021-10-28-werbungskosten-vermietung-verpachtung.html
  14. Statistisches Bundesamt, "Realsteuervergleich: Grundsteuer 2024", Destatis Fachserie 14 Reihe 10.1, https://www.destatis.de/DE/Themen/Staat/Steuern/Realsteuern/_inhalt.html