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Mieten oder Kaufen? Die ehrliche Rechnung für 2026

"Miete ist rausgeworfenes Geld" — diesen Satz hast du bestimmt schon gehört. Aber stimmt das? Spoiler: Es ist komplizierter. Hier ist die ehrliche Rechnung.

Der Mythos "Miete = rausgeworfen"

Was Leute sagenWas sie vergessen
"Miete ist weggeworfenes Geld"Zinsen an die Bank auch
"Du baust Vermögen auf"Opportunitätskosten (ETF statt Eigenkapital)
"Immobilien steigen immer"Nicht überall, nicht immer
"Ist ja für die Rente"Instandhaltung kostet auch in Rente

Die Realität: Kaufen ist teuer

Diese Kosten vergessen viele

KostenpunktTypisch
Kaufnebenkosten
Grunderwerbsteuer3,5-6,5% (je nach Bundesland) [4]
Notar~1,5%
Grundbuch~0,5%
Makler0-7,14% [5]
→ Summe Nebenkosten7-15% vom Kaufpreis [3]
Laufende Kosten
Instandhaltung1-2% vom Wert pro Jahr [6]
Hausgeld (Wohnung)2-4€/m²
GrundsteuerJe nach Kommune

Versteckte Kosten beim Immobilienkauf

Beispielrechnung: 300.000€ Wohnung

PositionEinmaligJährlich
Kaufpreis300.000€
Nebenkosten (10%)30.000€
Kapitalbedarf330.000€
Zinsen (3,9%, 240.000€ Kredit, Stand Juni 2026 [12])9.360€
Tilgung (2%)4.800€
Instandhaltung (1%)3.000€
Hausgeld2.400€
Grundsteuer500€
Jährliche Kosten~20.100€
Monatlich~1.670€

Und das bevor Sondertilgung, Renovierung, kaputte Heizung...

Die Vergleichsrechnung: Mieten + Investieren

Szenario: 90.000€ Eigenkapital (30%)

Option A: Kaufen

  • 300.000€ Wohnung, 90.000€ Eigenkapital
  • Kredit: 240.000€ (3,9% Zins, 2% Tilgung)
  • Monatliche Kosten: ~1.670€

Option B: Mieten + Investieren

  • Kaltmiete für vergleichbare Wohnung: 1.000€
  • Nebenkosten: 200€
  • Monatliche Wohnkosten: 1.200€
  • Differenz: 470€/Monat → in ETF
  • Eigenkapital 90.000€ → in ETF

Nach 20 Jahren (vereinfacht)

PositionKaufenMieten + ETF
Immobilienwert (2% Steigerung/Jahr)~445.000€
Restschuld Kredit~50.000€
ETF-Depot (7% Rendite)~530.000€
Netto-Vermögen~395.000€~530.000€
Diese Rechnung ist vereinfacht

Echte Vergleiche hängen von: Zinsentwicklung, Immobilienmarkt, ETF-Performance, Mietentwicklung, Instandhaltungskosten, Steuereffekten ab. Das sind BEISPIELZAHLEN.

Die wichtigsten Faktoren

1. Kaufpreis-Miete-Verhältnis

VerhältnisBedeutung
Unter 20 JahresmietenKaufen kann sich lohnen
20-25 JahresmietenGrauzone
Über 25 JahresmietenMieten oft besser

Kaufpreis-Miete-Verhältnis

Berechnung: Kaufpreis ÷ (Monatsmiete × 12) [7]

BeispielRechnung
300.000€ Wohnung, 1.000€ Miete300.000 ÷ 12.000 = 25
250.000€ Wohnung, 1.000€ Miete250.000 ÷ 12.000 = 20,8

In deutschen Großstädten liegt das Verhältnis bei 25-40 (2025): München und Frankfurt in guten Lagen 30-40, Berlin 25-32 [1][8] — meist zu teuer zum Kaufen.

2. Zinsniveau

ZinssatzMonatliche Rate (240.000€, 2% Tilgung)
1% (2021)600€
3,9% (Juni 2026, Durchschnitt 10 Jahre Zinsbindung [12])~1.180€
6% (1990er)1.600€

Faustregel: Jeder Prozentpunkt mehr Zinsen = 200€ mehr pro Monat (bei 240.000€ Kredit)

3. Deine Lebenssituation

FaktorEher KaufenEher Mieten
WohnortSicher, langfristigUnsicher, flexibel
JobStabil, lokalWechselnd, mobil
BeziehungStabilIn Entwicklung
FamilieGeplant, Platz nötigKeine/unsicher
ZeithorizontÜber 10 JahreUnter 10 Jahre

4. Deine finanzielle Situation

VoraussetzungMinimum
Eigenkapital20-30% vom Kaufpreis
Nebenkosten (extra!)10-15%
Notgroschen3-6 Monatsausgaben (nach Kauf noch da!)
EinkommenRate unter 35% vom Netto [9]
PufferFür kaputte Heizung, Reparaturen

Wann Kaufen Sinn macht

✅ Pro KaufenErklärung
Psychologischer ZwangDu "musst" abbezahlen (keine Disziplin für ETF nötig)
InflationsschutzKreditrate bleibt gleich, Gehalt steigt
GestaltungsfreiheitWände einreißen, Küche wie du willst
SicherheitKeine Eigenbedarfskündigung
ErbschaftImmobilie ist "greifbar"

Wann Mieten Sinn macht

✅ Pro MietenErklärung
FlexibilitätJob, Stadt, Beziehung ändern sich
Mathematisch oft besserMieten + investieren schlägt kaufen (in teuren Städten)
Kein KlumpenrisikoNicht alles in einer Immobilie
Keine InstandhaltungHeizung kaputt = Vermieter zahlt
Weniger StressKeine Sorgen um Hauswert

Die deutsche Besonderheit

LandEigentumsquote (Eurostat, 2024)Warum
Rumänien~95%
Spanien~75%
EU-Durchschnitt68%
Deutschland47% [10]Gute Mietgesetze, teurer Kauf
Schweiz~42%Extrem teuer

Deutschland hat niedrige Eigentumsquote weil Mieten gut funktioniert, nicht obwohl [2][11].

Die ehrlichen Fragen an dich

FrageWenn "Ja" →
Bleibst du 10+ Jahre am selben Ort?Kaufen wird interessanter
Kannst du 20-30% Eigenkapital aufbringen?Grundvoraussetzung
Bleibt danach noch Notgroschen?Sonst zu riskant
Ist die Rate unter 35% vom Netto?Sonst zu teuer
Kannst du Instandhaltung stemmen?1-2% pro Jahr
Macht dir Flexibilitätsverlust nichts?Ehrlich sein!

Wenn du nicht alle mit "Ja" beantworten kannst: Mieten ist okay.

Der Kalkulator-Check

Bevor du kaufst, rechne selbst mit:

  1. Kaufpreis-Miete-Verhältnis (unter 20-25)
  2. Monatliche Rate (unter 35% vom Netto)
  3. Gesamtkosten vs. Mieten + ETF (20-Jahre-Vergleich)
  4. Puffer nach Kauf (Notgroschen intakt?)

Häufige Fehler

❌ Fehler✅ Besser
"Miete ist weggeworfenes Geld"Zinsen auch, Rechnung machen
Kaufen ohne Eigenkapital20-30% Eigenkapital sammeln
Nebenkosten vergessen+10-15% einplanen
"Immobilien steigen immer"Nicht in jeder Region
Keine Reserve nach KaufNotgroschen muss bleiben
Kaufen weil "man das so macht"Eigene Situation analysieren

Die wichtigsten Zahlen

  • 20-25 maximales Kaufpreis-Miete-Verhältnis
  • 20-30% Eigenkapital nötig
  • 10-15% Kaufnebenkosten extra
  • 1-2% jährliche Instandhaltung
  • 35% maximale Rate vom Netto
  • 10+ Jahre Mindesthorizont sinnvoll
  • 47% deutsche Eigentumsquote (2024)

FAQ

Keine Rechts- oder Finanzberatung.

Was ist der Kaufpreisfaktor und ab wann gilt eine Immobilie als teuer?

Der Kaufpreisfaktor ist der Kaufpreis geteilt durch die Jahreskaltmiete einer vergleichbaren Wohnung. Faustregel: unter 20 ist relativ günstig, über 25 teuer [13]. In Großstädten liegt der Faktor bei 25-38 (2025): gute Lagen in München und Frankfurt erreichen 30-40, Berlin 25-32 [1][8]. Der Kehrwert ist die Bruttomietrendite: Faktor 25 bedeutet 4%, Faktor 33 etwa 3%.

Wie viele Jahre muss ich bleiben, damit sich Kaufen rechnet?

Ein realistischer Richtwert: 10-15 Jahre stabiles Wohnen [13]. Der Grund: Die Kaufnebenkosten von 7-15% sind im Moment des Kaufs verloren. Bei einem Preisanstieg von 2,3% pro Jahr (1. Quartal 2026) [15] dauert allein das Aufholen der Nebenkosten mehrere Jahre — dazu kommen entgangene Rendite auf dein Eigenkapital, Zinsen an die Bank und Instandhaltung. Ein Horizont unter 5 Jahren spricht fast immer fürs Mieten [13]. Der genaue Break-even hängt vom Kaufpreisfaktor, vom Zins und vom Mietwachstum ab — eine universelle Zahl gibt es nicht.

Verändert die Mietpreisbremse die Rechnung zugunsten des Mietens?

Teilweise ja. Die Mietpreisbremse erlaubt in angespannten Märkten Neuverträge maximal 10% über der ortsüblichen Vergleichsmiete; sie wurde bis Ende 2029 verlängert [11]. Ausnahmen: Neubauten und umfassend modernisierte Wohnungen. Für die Rechnung "Mieten + Investieren gegen Kaufen" stärkt langsameres Mietwachstum die Mieter-Seite. Aber es ist kein Einfrieren: Neuvertragsmieten stiegen binnen Jahresfrist um 3,0% (1. Quartal 2026) [15].

Was passiert, wenn ich kaufe und in 5 Jahren Deutschland verlasse?

Das ist das teure Szenario. Die Kaufnebenkosten von 7-15% bekommst du nicht zurück. Die vorzeitige Kreditablösung beim Verkauf löst eine Vorfälligkeitsentschädigung aus (Ausgleich an die Bank für entgangene Zinsen) — grob 5-10% der Restschuld, abhängig von Restschuld, Restlaufzeit und Zinsniveau [14]. Gewinn aus einem Verkauf innerhalb von 10 Jahren ist einkommensteuerpflichtig, außer du hast die Immobilie im Verkaufsjahr und den beiden Vorjahren selbst bewohnt. Die Alternative — aus dem Ausland vermieten — ist möglich, aber Steuerpflicht in Deutschland und die operative Verwaltung bleiben.

Die Zinsen sind von 1% auf fast 4% gestiegen — lohnt Kaufen überhaupt noch?

Aktuelle Zinsen: 10 Jahre Zinsbindung im Schnitt 3,93%, Top-Angebote 3,6-3,7%, 15 Jahre rund 4,15% (Juni 2026) [12]. Faustregel: Jeder Prozentpunkt Zins kostet rund 200€ pro Monat bei 240.000€ Kredit. Die 1%-Zinsen von 2021 waren die Ausnahme; das heutige Niveau liegt näher an der langfristigen Norm. Kaufen ist nicht automatisch sinnlos geworden — aber der Test über Kaufpreisfaktor und Wohnhorizont ist strenger: Bei Faktor über 25 und Zinsen nahe 4% gewinnt Mieten plus Investieren der Differenz mathematisch öfter.


Kaufen vs. Mieten ist keine moralische Frage. Es ist eine Rechenaufgabe plus Lifestyle-Entscheidung. Beide Wege können zum Vermögen führen — aber nur, wenn du ehrlich rechnest.

Quellen

  1. Homeday (2026). "Vervielfältiger: Kaufpreisfaktor berechnen". https://www.homeday.de/de/immobilienbewertung/vervielfaeltiger-kaufpreisfaktor/

  2. Bürgerliches Gesetzbuch (BGB), § 573 "Ordentliche Kündigung des Vermieters". https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__573.html

  3. Immobilienverband Deutschland IVD (2024). "Kaufnebenkosten beim Immobilienerwerb". https://ivd.net/ratgeber/kaufnebenkosten

  4. Bundesministerium der Finanzen (2024). "Grunderwerbsteuer nach Bundesländern". https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Standardartikel/Themen/Steuern/Steuerarten/Grunderwerbsteuer/grunderwerbsteuer.html

  5. Gesetz über die Verteilung der Maklerkosten (2020). "Bestellerprinzip bei Wohnimmobilien". https://www.bmj.de/

  6. Stiftung Warentest (2023). "Nebenkosten beim Eigenheim: Mit diesen Kosten müssen Sie rechnen". Finanztest 11/2023. https://www.test.de/

  7. Deutsche Bundesbank (2023). "Preis-Miet-Verhältnisse in deutschen Städten". Monatsbericht Oktober 2023. https://www.bundesbank.de/de/publikationen/berichte/monatsberichte

  8. Baufi24 (2025). "Mietrenditeatlas H2 2025 — Bruttomietrenditen deutscher Großstädte". https://www.cash-online.de/a/wo-sich-vermietung-noch-lohnt-blick-in-den-baufi24-mietrenditeatlas-712148/

  9. Verbraucherzentrale (2024). "Baufinanzierung: So viel Kredit können Sie sich leisten". https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/geld-versicherungen/kredit-schulden-insolvenz/baufinanzierung

  10. Eurostat (2026). "68% of people living in EU households own their home" (Daten 2024). https://ec.europa.eu/eurostat/web/products-eurostat-news/w/ddn-20260205-1

  11. § 556d BGB (Mietpreisbremse), https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__556d.html; Verlängerung bis 31.12.2029: Deutscher Bundestag (2025), https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2025/kw26-de-mietpreisbremse-1084786

  12. Dr. Klein (Juni 2026). "Aktuelle Bauzinsen". https://www.drklein.de/aktuelle-bauzinsen.html

  13. Finanztip (Stand 2026). "Mieten oder kaufen: Was lohnt sich für Dich?". https://www.finanztip.de/baufinanzierung/mieten-oder-kaufen/

  14. Finanztip (Stand 2026). "Vorfälligkeitsentschädigung bei Hausverkauf". https://www.finanztip.de/baufinanzierung/vorfaelligkeitsentschaedigung/

  15. vdpResearch (Q1 2026). "Immobilienpreise steigen zu Jahresbeginn 2026 weiter". https://www.vdpresearch.de/immobilienpreise-steigen-zu-jahresbeginn-2026-weiter/