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Mieten oder Kaufen? Die ehrliche Rechnung für 2025

"Miete ist rausgeworfenes Geld" — diesen Satz hast du bestimmt schon gehört. Aber stimmt das? Spoiler: Es ist komplizierter. Hier ist die ehrliche Rechnung.

Der Mythos "Miete = rausgeworfen"

Was Leute sagenWas sie vergessen
"Miete ist weggeworfenes Geld"Zinsen an die Bank auch
"Du baust Vermögen auf"Opportunitätskosten (ETF statt Eigenkapital)
"Immobilien steigen immer"Nicht überall, nicht immer
"Ist ja für die Rente"Instandhaltung kostet auch in Rente

Die Realität: Kaufen ist teuer

Diese Kosten vergessen viele

KostenpunktTypisch
Kaufnebenkosten
Grunderwerbsteuer3,5-6,5% (je nach Bundesland) [4]
Notar~1,5%
Grundbuch~0,5%
Makler0-7,14% [5]
→ Summe Nebenkosten7-15% vom Kaufpreis [3]
Laufende Kosten
Instandhaltung1-2% vom Wert pro Jahr [6]
Hausgeld (Wohnung)2-4€/m²
GrundsteuerJe nach Kommune

Versteckte Kosten beim Immobilienkauf

Beispielrechnung: 300.000€ Wohnung

PositionEinmaligJährlich
Kaufpreis300.000€
Nebenkosten (10%)30.000€
Kapitalbedarf330.000€
Zinsen (4%, 240.000€ Kredit)9.600€
Tilgung (2%)4.800€
Instandhaltung (1%)3.000€
Hausgeld2.400€
Grundsteuer500€
Jährliche Kosten~20.300€
Monatlich~1.690€

Und das bevor Sondertilgung, Renovierung, kaputte Heizung...

Die Vergleichsrechnung: Mieten + Investieren

Szenario: 90.000€ Eigenkapital (30%)

Option A: Kaufen

  • 300.000€ Wohnung, 90.000€ Eigenkapital
  • Kredit: 240.000€ (4% Zins, 2% Tilgung)
  • Monatliche Kosten: ~1.690€

Option B: Mieten + Investieren

  • Kaltmiete für vergleichbare Wohnung: 1.000€
  • Nebenkosten: 200€
  • Monatliche Wohnkosten: 1.200€
  • Differenz: 490€/Monat → in ETF
  • Eigenkapital 90.000€ → in ETF

Nach 20 Jahren (vereinfacht)

PositionKaufenMieten + ETF
Immobilienwert (2% Steigerung/Jahr)~445.000€
Restschuld Kredit~50.000€
ETF-Depot (7% Rendite)~540.000€
Netto-Vermögen~395.000€~540.000€
Diese Rechnung ist vereinfacht

Echte Vergleiche hängen von: Zinsentwicklung, Immobilienmarkt, ETF-Performance, Mietentwicklung, Instandhaltungskosten, Steuereffekten ab. Das sind BEISPIELZAHLEN.

Die wichtigsten Faktoren

1. Kaufpreis-Miete-Verhältnis

VerhältnisBedeutung
< 20 JahresmietenKaufen kann sich lohnen
20-25 JahresmietenGrauzone
> 25 JahresmietenMieten oft besser

Kaufpreis-Miete-Verhältnis

Berechnung: Kaufpreis ÷ (Monatsmiete × 12) [7]

BeispielRechnung
300.000€ Wohnung, 1.000€ Miete300.000 ÷ 12.000 = 25
250.000€ Wohnung, 1.000€ Miete250.000 ÷ 12.000 = 20,8

In vielen deutschen Großstädten liegt das Verhältnis bei 30-40 [8] — deutlich zu teuer zum Kaufen.

2. Zinsniveau

ZinssatzMonatliche Rate (240.000€, 2% Tilgung)
1% (2021)600€
4% (2024)1.200€
6% (1990er)1.600€

Faustregel: Jeder Prozentpunkt mehr Zinsen = 200€ mehr pro Monat (bei 240.000€ Kredit)

3. Deine Lebenssituation

FaktorEher KaufenEher Mieten
WohnortSicher, langfristigUnsicher, flexibel
JobStabil, lokalWechselnd, mobil
BeziehungStabilIn Entwicklung
FamilieGeplant, Platz nötigKeine/unsicher
Zeithorizont> 10 Jahre< 10 Jahre

4. Deine finanzielle Situation

VoraussetzungMinimum
Eigenkapital20-30% vom Kaufpreis
Nebenkosten (extra!)10-15%
Notgroschen3-6 Monatsausgaben (nach Kauf noch da!)
EinkommenRate < 35% vom Netto [9]
PufferFür kaputte Heizung, Reparaturen

Wann Kaufen Sinn macht

✅ Pro KaufenErklärung
Psychologischer ZwangDu "musst" abbezahlen (keine Disziplin für ETF nötig)
InflationsschutzKreditrate bleibt gleich, Gehalt steigt
GestaltungsfreiheitWände einreißen, Küche wie du willst
SicherheitKeine Eigenbedarfskündigung
ErbschaftImmobilie ist "greifbar"

Wann Mieten Sinn macht

✅ Pro MietenErklärung
FlexibilitätJob, Stadt, Beziehung ändern sich
Mathematisch oft besserMieten + investieren schlägt kaufen (in teuren Städten)
Kein KlumpenrisikoNicht alles in einer Immobilie
Keine InstandhaltungHeizung kaputt = Vermieter zahlt
Weniger StressKeine Sorgen um Hauswert

Die deutsche Besonderheit

LandEigentumsquoteWarum
Rumänien~96%
Spanien~76%
UK~65%
Deutschland~51% [10]Gute Mietgesetze, teurer Kauf
Schweiz~43%Extrem teuer

Deutschland hat niedrige Eigentumsquote weil Mieten gut funktioniert, nicht obwohl [2][11].

Die ehrlichen Fragen an dich

FrageWenn "Ja" →
Bleibst du 10+ Jahre am selben Ort?Kaufen wird interessanter
Kannst du 20-30% Eigenkapital aufbringen?Grundvoraussetzung
Bleibt danach noch Notgroschen?Sonst zu riskant
Ist Rate < 35% vom Netto?Sonst zu teuer
Kannst du Instandhaltung stemmen?1-2% pro Jahr
Macht dir Flexibilitätsverlust nichts?Ehrlich sein!

Wenn du nicht alle mit "Ja" beantworten kannst: Mieten ist okay.

Der Kalkulator-Check

Bevor du kaufst, rechne selbst mit:

  1. Kaufpreis-Miete-Verhältnis (< 20-25)
  2. Monatliche Rate (< 35% vom Netto)
  3. Gesamtkosten vs. Mieten + ETF (20-Jahre-Vergleich)
  4. Puffer nach Kauf (Notgroschen intakt?)

Häufige Fehler

❌ Fehler✅ Besser
"Miete ist weggeworfenes Geld"Zinsen auch, Rechnung machen
Kaufen ohne Eigenkapital20-30% Eigenkapital sammeln
Nebenkosten vergessen+10-15% einplanen
"Immobilien steigen immer"Nicht in jeder Region
Keine Reserve nach KaufNotgroschen muss bleiben
Kaufen weil "man das so macht"Eigene Situation analysieren

Die wichtigsten Zahlen

  • 20-25 maximales Kaufpreis-Miete-Verhältnis
  • 20-30% Eigenkapital nötig
  • 10-15% Kaufnebenkosten extra
  • 1-2% jährliche Instandhaltung
  • 35% maximale Rate vom Netto
  • 10+ Jahre Mindesthorizont sinnvoll
  • ~50% deutsche Eigentumsquote

FAQ

Aber ich will keine Miete mehr zahlen in der Rente! Dann zahlst du Instandhaltung, Nebenkosten, evtl. Renovierung. Und: Größeres ETF-Depot kann auch Miete zahlen.

Meine Eltern sagen, ich soll kaufen. Andere Zeit: 1990 waren Zinsen höher, aber Kaufpreise viel niedriger. Heute: Niedrige Zinsen vorbei, Preise hoch.

Ich kann mir in meiner Stadt eh nichts leisten. Dann miet halt. Das ist nicht schlimm. Investieren ist auch Vermögensaufbau.

Wann wird Kaufen wieder attraktiv? Wenn Kaufpreise sinken oder Zinsen deutlich fallen. Keiner weiß, wann/ob das passiert.


Kaufen vs. Mieten ist keine moralische Frage. Es ist eine Rechenaufgabe plus Lifestyle-Entscheidung. Beide Wege können zum Vermögen führen — aber nur, wenn du ehrlich rechnest.

Quellen

  1. Bundesbank (2024). "Wohnimmobilienpreise und Mieten in Deutschland". Monatsbericht Januar 2024. https://www.bundesbank.de/de/publikationen/berichte/monatsberichte

  2. Bürgerliches Gesetzbuch (BGB), § 573 "Ordentliche Kündigung des Vermieters". https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__573.html

  3. Immobilienverband Deutschland IVD (2024). "Kaufnebenkosten beim Immobilienerwerb". https://ivd.net/ratgeber/kaufnebenkosten

  4. Bundesministerium der Finanzen (2024). "Grunderwerbsteuer nach Bundesländern". https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Standardartikel/Themen/Steuern/Steuerarten/Grunderwerbsteuer/grunderwerbsteuer.html

  5. Gesetz über die Verteilung der Maklerkosten (2020). "Bestellerprinzip bei Wohnimmobilien". https://www.bmj.de/

  6. Stiftung Warentest (2023). "Nebenkosten beim Eigenheim: Mit diesen Kosten müssen Sie rechnen". Finanztest 11/2023. https://www.test.de/

  7. Deutsche Bundesbank (2023). "Preis-Miet-Verhältnisse in deutschen Städten". Monatsbericht Oktober 2023. https://www.bundesbank.de/de/publikationen/berichte/monatsberichte

  8. F+B Forschung und Beratung für Wohnen, Immobilien und Umwelt (2024). "Mietrendite deutscher Wohnimmobilien". https://www.f-und-b.de/

  9. Verbraucherzentrale (2024). "Baufinanzierung: So viel Kredit können Sie sich leisten". https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/geld-versicherungen/kredit-schulden-insolvenz/baufinanzierung

  10. Eurostat (2023). "Distribution of population by tenure status". https://ec.europa.eu/eurostat/

  11. Gesetz zur Dämpfung des Mietanstiegs (Mietpreisbremse), § 556d BGB. https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__556d.html