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Wertpapierdepot — Investmentkonto

Ein Depot ist ein Konto zum Halten von Wertpapieren in Deutschland. Ohne Depot kannst du keine ETFs, Aktien oder Anleihen kaufen. Ein Depot online zu eröffnen dauert 10-15 Minuten, und moderne Broker verlangen €0-1 pro Trade — deutlich günstiger als Banken vor zehn Jahren.

Bildung, keine Beratung

Dieser Artikel erklärt die Grundlagen der Broker-Auswahl, empfiehlt aber keine konkreten Produkte. Investitionsentscheidungen triffst nur du.

Was ist ein Depot und wozu brauchst du es

Ein Depot ist ein spezielles Konto für Wertpapiere:

  • ETFs (börsengehandelte Fonds)
  • Unternehmensaktien
  • Anleihen
  • Andere börsengehandelte Instrumente

Das Depot ist vom normalen Bankkonto getrennt. Geld für Käufe liegt im Verrechnungskonto, die Wertpapiere selbst im Depot.

Broker-Typen: Neobroker vs. traditionelle Banken

In Deutschland gibt es zwei Haupt-Broker-Typen:

Neobroker (Trade Republic, Scalable) — niedrige Gebühren (€0-1 pro Trade), minimalistisches Interface, nur App. Entstanden nach 2015 [1].

Traditionelle Banken (ING, DKB, comdirect) — höhere Gebühren (ab €4,90), mehr Funktionen (Telefon-Support, Zugang zu außerbörslichen Instrumenten), etablierte Marken.

Neobroker-Vergleich

BrokerSparplanEinzel-Trade-GebührSparplan-MinimumLizenz
Trade Republic€0€1€1BaFin [2]
Scalable Capital€0 (Prime €4,99/Monat)€0,99 oder €0 (Prime)€1BaFin [3]
Smartbroker+€0€0 (Gettex) oder €1€25BaFin [4]

Sparplan — automatischer monatlicher ETF- oder Aktienkauf für einen festen Betrag.

Traditionelle Banken-Vergleich

BrokerSparplanEinzel-Trade-GebührSparplan-Minimum
DKB€1,50 pro Ausführung0,25%, mind. €10€50
ING€00,25%, mind. €4,90€1
comdirect€1,500,25% + €4,90€25

Kriterien zur Broker-Auswahl

Die Broker-Wahl hängt von deiner Strategie und Psychologie ab.

KriteriumNeobrokerTraditionelle BankenAm besten für
Kosten€0-12/Jahr bei €100/Monat Sparplan€18-60/Jahr bei €100/MonatKostenminimierung — Neobroker
Verfügbare ETFs1500-2500 Positionen5000+ PositionenBasis-ETFs — beide funktionieren
InterfaceNur App, minimalistischApp + Web + TelefonSupport benötigt — Banken
LizenzBaFin, BanklizenzBaFin, BanklizenzAlle gleich reguliert [5]
VertrauenNeue Marken (2015-2019)Etablierte Namen (30+ Jahre)Psychologischer Faktor

Psychologische Dimension: Vertrauen in neue Broker

Wenn du „zuverlässige" Broker in deinem Herkunftsland zusammenbrechen gesehen hast, ist Skepsis gegenüber Trade Republic logisch. Das deutsche System unterscheidet sich strukturell:

  1. Wertpapiere separat aufbewahrt — bei Broker-Insolvenz bleiben deine Aktien und ETFs dein Eigentum, werden zu anderem Broker übertragen [6].
  2. Bargeld bis €100.000 versichert — Einlagensicherung deckt Verrechnungskonto-Guthaben ab [7].
  3. BaFin-Regulierung — alle Broker (Neobroker und Banken) haben Banklizenzen und werden von der BaFin reguliert [5].

Aber Vertrauen baut sich schrittweise auf. Mit ING (bekannte Marke) zu starten und nach einem Jahr zu Trade Republic (niedrigere Gebühren) zu wechseln, ist eine vernünftige Strategie.

Depot-Eröffnungsprozess

Ein Depot online zu eröffnen dauert 10-20 Minuten.

Schritte

  1. Registrierung — Name, Adresse, Steuer-ID angeben.
  2. Identifikation — VideoIdent (online per Video mit Reisepass) oder PostIdent (in der Postfiliale). VideoIdent schneller — 5 Minuten.
  3. Vertragsunterzeichnung — elektronische Signatur in der App.
  4. Freistellungsauftrag einrichten — siehe unten.
  5. Verrechnungskonto aufladen — Geld vom normalen Konto überweisen.
  6. Kauf — Sparplan einrichten oder manuell kaufen.

Freistellungsauftrag — €1.000 Steuerfreibetrag

Freistellungsauftrag weist den Broker an, keine Steuer auf die ersten €1.000 (Singles) oder €2.000 (Ehepaare) Kapitalertrag pro Jahr einzubehalten [8].

Wie es funktioniert:

  • Ohne Freistellungsauftrag behält der Broker 26,375% Steuer auf jeden Euro Dividenden und Gewinne ein.
  • Mit Freistellungsauftrag bleiben dir die ersten €1.000 Gewinn komplett erhalten.
  • Ersparnis: bis zu €263 pro Jahr pro Person.

So richtest du es ein: In der Broker-App den Bereich „Freistellungsauftrag" suchen und Betrag angeben (€1.000 für einen Broker oder auf mehrere aufteilen).

Bei mehreren Brokern: Grenze aufteilen. Beispiel: Trade Republic — €600, ING — €400. Gesamt darf €1.000 nicht überschreiten.

Verrechnungskonto — Depot-Geldkonto

Das Verrechnungskonto ist ein normales Bankkonto, das mit deinem Depot verknüpft ist. Geld für Käufe liegt hier, nicht im Depot selbst.

Wichtig:

  • Geld im Verrechnungskonto ist durch Einlagensicherung bis €100.000 geschützt [7].
  • Manche Broker (Trade Republic) zahlen Zinsen auf das Guthaben — bis zu 3,25% p.a. (Stand Januar 2025) [9].

Sicherheit: Was passiert bei Broker-Insolvenz

Wertpapiere sind dein Eigentum. Sie werden getrennt vom Broker-Vermögen im Zentraldepot (Clearstream für deutsche Broker) aufbewahrt [6].

Bei Broker-Insolvenz:

  1. Deine ETFs und Aktien bleiben dein Eigentum — werden zu anderem Broker übertragen.
  2. Geld im Verrechnungskonto ist durch Einlagensicherung bis €100.000 pro Person geschützt [7].
  3. Übertragungsprozess dauert mehrere Wochen, aber Wertpapiere verschwinden nicht.

Dies unterscheidet sich strukturell von Broker-Insolvenzen in Russland/GUS in den 1990er-2000er Jahren, wo Kundengelder oft mit Unternehmensvermögen vermischt wurden.

Für wen eignet sich ein Depot: Boat vs. Ladder

PhaseEmpfehlung
Boat (0-24 Monate)Depot eröffnen ist möglich, aber Priorität ist ein Notfallfonds für 3-6 Monate Ausgaben im Tagesgeldkonto. Langfristiges Investieren ist für Stabilität, nicht Überleben.
Island/Ladder (Jahr 2+)Depot wird zum wichtigsten Vermögensaufbau-Tool. Sparplan von €100-500/Monat in ETFs ist ein grundlegendes Finanzstrategie-Element.

Häufige Fragen

Kann ich ein Depot ohne Girokonto bei derselben Bank eröffnen? Ja. Trade Republic, Scalable Capital und Smartbroker+ erfordern kein Girokonto bei derselben Institution.

Muss ich eine Steuererklärung abgeben? Wenn du einen Freistellungsauftrag eingerichtet hast und der Gewinn €1.000/Jahr nicht übersteigt, behält der Broker automatisch Steuern ein, keine Erklärung nötig. Bei höherem Gewinn — Steuererklärung einreichen, um Überzahlung zurückzufordern [8].

Kann ich mehrere Depots haben? Ja. Viele haben ein Depot für langfristige Anlagen (Sparplan), ein anderes für Experimente oder Trading.

FAQ

Keine Rechts- oder Finanzberatung.

Ich habe ein Interactive-Brokers-Konto aus meinem Herkunftsland. Kann ich es weiter nutzen?

Ja, aber mit steuerlichen Konsequenzen. Interactive Brokers (Irland/Luxemburg) führt keine deutsche Kapitalertragsteuer ab — du bist selbst für Deklaration und Zahlung verantwortlich. Alle Dividenden, Kursgewinne und Zinsen werden in der Anlage KAP bei der Steuererklärung angegeben. Ein Freistellungsauftrag bei einem ausländischen Broker ist nicht möglich — der Sparerpauschbetrag wird bei der Steuererklärung berücksichtigt. Nach dem Umzug nach Deutschland den Broker über die Änderung der Steueransässigkeit informieren und W-8BEN-Formulare aktualisieren (zur Reduzierung der US-Quellensteuer auf 15%). Die gleichzeitige Nutzung eines deutschen und ausländischen Brokers ist zulässig.

Trade Republic zahlt 3,25% auf das Guthaben. Ist das ein Sparkonto?

Nein. Die Zinsen werden auf dem Verrechnungskonto gutgeschrieben, aber es ist kein Tagesgeld im klassischen Sinne. Wichtige Unterschiede: (1) Die Gelder sind durch die Einlagensicherung bis 100.000 € geschützt, wie ein normales Bankkonto [7]; (2) der Zinssatz kann sich jederzeit ohne Vorankündigung ändern — er ist an den EZB-Leitzins gekoppelt; (3) Zinsen unterliegen der Kapitalertragsteuer (26,375%) — Freistellungsauftrag einrichten, damit die ersten 1.000 € Erträge steuerfrei bleiben [8]. Für den Notgroschen ist ein separates Tagesgeldkonto zuverlässiger — es ist psychologisch vom Investmentportfolio getrennt.

Mein Depot zeigt Verluste. Sollte ich den Broker wechseln?

Negative Performance spiegelt Marktbewegungen wider, nicht ein Broker-Problem. Ein Brokerwechsel ändert nichts am Wert deiner ETFs oder Aktien. Ein Depotübertrag ist gesetzlich kostenlos (§ 67 WpHG), dauert 2–6 Wochen und ist kein steuerpflichtiger Vorgang — du „verkaufst" keine Wertpapiere, sondern überträgst sie. Den Broker zu wechseln ist sinnvoll bei: zu hohen Gebühren, fehlenden ETFs, unbequemer Benutzeroberfläche oder unzureichendem Service. Die Entscheidung zum Wechsel sollte nicht auf temporären Kursverlusten basieren.

Kann ich ein Depot für mein Kind eröffnen?

Ja. In Deutschland gibt es Junior-Depots (Minderjährigendepots). Eltern eröffnen es im Namen des Kindes, verwalten das Konto bis zur Volljährigkeit (18 Jahre), danach erhält das Kind vollen Zugang. Steuervorteil: Das Kind hat einen eigenen Sparerpauschbetrag (1.000 €/Jahr) und Grundfreibetrag — ohne weiteres Einkommen bleiben bis ~11.784 €/Jahr Kapitalerträge steuerfrei. Einschränkung: Das Geld gehört rechtlich dem Kind, Eltern können es nicht zurücknehmen. Junior-Depots bieten Trade Republic, Scalable Capital, ING und comdirect an.

Wie funktioniert ein Depotübertrag vom alten Broker?

Depotüberträge sind kostenlos — der abgebende Broker darf keine Gebühr erheben (§ 67 WpHG) [5]. Ablauf: (1) neues Depot beim neuen Broker eröffnen; (2) Depotübertrag-Formular ausfüllen (meist in der App des neuen Brokers); (3) der neue Broker fordert den Übertrag beim alten an. Dauer: 2–6 Wochen, manchmal länger. Während des Übertrags können die betroffenen Wertpapiere nicht verkauft werden. Der Übertrag ist kein steuerpflichtiger Vorgang — die Anschaffungskosten bleiben erhalten. Nach dem Übertrag prüfen, ob die Anschaffungskosten korrekt übertragen wurden — Fehler können zu einer zu hohen Steuer beim Verkauf führen.

Quellen

  1. Trade Republic — Unternehmensgeschichte. Trade Republic Bank GmbH. URL: https://traderepublic.com/de-de/ueber-uns (Zugriff: 31. Januar 2025).
  2. Trade Republic — BaFin-Lizenz. Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). URL: https://www.bafin.de/DE/Aufsicht/InstFinanzdienstleister/UnternehmensdatenBank/unternehmensdatenbank_node.html (Zugriff: 31. Januar 2025).
  3. Scalable Capital — BaFin-Lizenz. Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). URL: https://www.bafin.de/DE/Aufsicht/InstFinanzdienstleister/UnternehmensdatenBank/unternehmensdatenbank_node.html (Zugriff: 31. Januar 2025).
  4. Smartbroker+ — BaFin-Lizenz. Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). URL: https://www.bafin.de/DE/Aufsicht/InstFinanzdienstleister/UnternehmensdatenBank/unternehmensdatenbank_node.html (Zugriff: 31. Januar 2025).
  5. Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) — Wertpapierhandelsregulierung. Bundesministerium der Justiz. URL: https://www.gesetze-im-internet.de/wphg/ (Zugriff: 31. Januar 2025).
  6. Einlagensicherung und Anlegerentschädigung. Bundesverband deutscher Banken. URL: https://bankenverband.de/themen/einlagensicherung/ (Zugriff: 31. Januar 2025).
  7. Einlagensicherung — Einlagensicherung bis €100.000. Entschädigungseinrichtung deutscher Banken (EdB). URL: https://www.edb-banken.de (Zugriff: 31. Januar 2025).
  8. Freistellungsauftrag — Steuerfreibetrag auf Kapitalerträge. Bundesministerium der Finanzen. URL: https://www.bundesfinanzministerium.de (Zugriff: 31. Januar 2025).
  9. Trade Republic — Zinsen auf Guthaben. Trade Republic Bank GmbH. URL: https://traderepublic.com (Zugriff: 31. Januar 2025).