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Erste Investition

Die erste Investition in Deutschland kann mit einem Minimalbetrag von €1–25 über einen Online-Broker getätigt werden, indem man ein Depot (Brokerkonto) eröffnet und einen Sparplan (automatischen Investitionsplan) für einen Index-ETF einrichtet. Der gesamte Prozess dauert 15–30 Minuten für die Online-Registrierung plus 1–3 Werktage für die Dokumentenverifizierung [1].

Dieser Artikel richtet sich an diejenigen in der Ladder-Phase (ab 2 Jahren in Deutschland): Sie haben ein stabiles Einkommen, ein finanzielles Polster für 3–6 Monate Ausgaben und sind bereit, einen Teil des Geldes für langfristiges Wachstum anzulegen.

Psychologische Dimension

Die erste Investition ist psychologisch schwieriger als mathematisch. Nach Erfahrungen mit Finanzsystemen im postsowjetischen Raum — Zahlungsausfälle, Entwertung "garantierter" Produkte, Bankrotte — ist Misstrauen gegenüber Investitionen rational, nicht irrational.

Das deutsche System unterscheidet sich strukturell:

  • Einlagensicherung bis €100.000 — gesetzlich garantiertes System [2]
  • BaFin-Regulierung — Bundesaufsicht über Finanzmärkte [3]
  • Vermögenstrennung — Ihre Wertpapiere sind rechtlich getrennt von den Vermögenswerten des Brokers (bleiben selbst bei dessen Insolvenz Ihre) [4]

Dies garantiert nicht, dass der Markt nicht fallen wird — er wird fallen, das ist normal. Aber es bedeutet, dass das systemische Risiko (Verschwinden von Geld durch institutionellen Zusammenbruch) gesetzlich minimiert ist.

Vertrauen in das System baut sich schrittweise auf. Mit kleinen Beträgen zu beginnen ist kein Zeichen von Unentschlossenheit, sondern eine rationale Strategie zum Testen des Systems bei hoher Unsicherheit.

Voraussetzungen

Vor der ersten Investition müssen folgende Bedingungen erfüllt sein:

AnforderungWozu
Finanzpolster für 3–6 Monate AusgabenInvestitionen können in Krisen um 30–50% fallen. Wenn Sie das Geld dringend benötigen, müssen Sie mit Verlust verkaufen [5].
Steuernummer (Steuer-ID)Erforderlich für Depoteröffnung — Broker behält Steuer auf Gewinne ein (Kapitalertragsteuer 25% + Soli 5,5% der Steuer) [6].
Wohnsitz in DeutschlandDie meisten Online-Broker verlangen eine deutsche Meldeadresse.
Anlagehorizont mindestens 10 JahreDer Markt ist kurzfristig volatil. Historisch erholte sich der MSCI World Index nach jeder Krise innerhalb von 3–7 Jahren, aber Garantien gibt es keine [7].

Wenn auch nur eine Bedingung nicht erfüllt ist — stoppen Sie. Investitionen ohne Polster oder bei kurzem Horizont werden vom Wachstumsinstrument zur Quelle finanziellen Stresses.

Was ist ein Depot und wie funktioniert es

Depot (Brokerkonto) ist ein Konto zum Kauf und zur Aufbewahrung von Wertpapieren: Aktien, Anleihen, ETFs (börsengehandelte Fonds). Anders als ein Girokonto wird auf einem Depot kein Geld für tägliche Ausgaben aufbewahrt — es dient der Investition.

Depot-Typen

TypAnbieterGebührenFür wen
Online-Broker (Neobroker)Trade Republic, Scalable Capital, finanzen.net zero€0–3/Monat, oft €0 für Sparplan-Ausführung [8]Anfänger, selbstständige Anleger, Kostenminimalisten
Klassischer BrokerING, Consorsbank, comdirect€0–5/Monat fürs Depot, €1,50–10 pro Sparplan [9]Wer etablierte Marken schätzt und bereit ist dafür zu zahlen
Bank-DepotSparkasse, Commerzbank€10–30/Monat + hohe Transaktionsgebühren [10]Selten gerechtfertigt für passives Investieren

Für die erste Investition wird empfohlen, mit einem Online-Broker zu beginnen — minimale Kosten, einfaches Interface, schnelle Registrierung.

Rechtlicher Schutz

Ihre Vermögenswerte im Depot sind gesetzlich geschützt:

  • Wertpapiere sind Ihr Eigentum, nicht Vermögen des Brokers [4]
  • Bei Insolvenz des Brokers werden Ihre Aktien/ETFs zu einem anderen Verwahrer übertragen
  • Geldmittel auf dem Brokerkonto (nicht investiert) sind bis €100.000 durch Einlagensicherung versichert [2]

Schrittweiser Prozess zur Depoteröffnung

Schritt 1: Broker-Auswahl

Auswahlkriterien:

KriteriumWorauf achten
Sparplan-GebührIdeal €0, akzeptabel bis 1,5% [8]
Sparplan-Mindestbetrag€1–50/Monat (je nach Broker) [11]
ETF-AuswahlMindestens 300–500 ETFs im Angebot, einschließlich beliebter Index-ETFs [8]
Interface-BenutzerfreundlichkeitMobile App auf Russisch/Englisch (optional)
LizenzierungBaFin-Lizenz ist Pflicht — überprüfbar auf Broker-Website [3]

Beispiele für Online-Broker (keine Empfehlung):

  • Trade Republic — Sparplan ab €1, Gebühr €0, einfaches Interface [12]
  • Scalable Capital — Sparplan ab €1, kostenloser Tarif Free Broker verfügbar [13]
  • finanzen.net zero — Sparplan ab €25, Gebühr €0 [14]

Schritt 2: Registrierung

Der Prozess ist standardisiert:

  1. Fragebogen ausfüllen — Name, Adresse, Steuer-ID, Steuerresidenz
  2. Identitätsverifizierung — VideoIdent (Videoanruf mit Ausweis, 5–10 Minuten) oder PostIdent (in Postfiliale)
  3. Bestätigung — Broker sendet Vertrag und Kontodaten per E-Mail (1–3 Werktage)

Wichtig: Bei der Registrierung werden Sie nach Ihrer Anlageerfahrung gefragt. Antworten Sie ehrlich — das ist keine Prüfung, sondern eine regulatorische Anforderung. Der Broker muss Ihr Wissensniveau bewerten [15].

Schritt 3: Freistellungsauftrag einrichten

Freistellungsauftrag (Steuerfreibetrag) ist die Anweisung an den Broker, keine Steuer auf die ersten €1.000 Gewinn pro Jahr einzubehalten (€2.000 für Ehepaare) [6].

Ohne Freistellungsauftrag behält der Broker 26,375% Steuer auf jeden Gewinn ein — selbst wenn dieser unter dem Freibetrag liegt. Sie können die Überzahlung über die Steuererklärung zurückholen, aber das ist zusätzlicher Aufwand.

Wird im Broker-Kundenportal in 2 Minuten eingerichtet. Wenn Sie mehrere Depots haben — verteilen Sie den €1.000-Freibetrag zwischen ihnen (z.B. €500 + €500).

Schritt 4: Konto aufladen

Überweisen Sie Geld von Ihrem Girokonto auf das Brokerkonto (IBAN steht im Vertrag). Überweisung dauert 1–2 Werktage.

Anfangsbetrag: Sie können mit €25–100 beginnen, um das System zu testen und sich psychologisch anzupassen.

Auswahl des ersten ETF

ETF (Exchange Traded Fund) ist ein börsengehandelter Fonds, der automatisch einen Index kopiert (z.B. MSCI World — über 1.500 größte Unternehmen weltweit) [16].

Auswahlkriterien für Anfänger-ETF

KriteriumEmpfehlungWarum
FondstypPhysisch replizierend (physical replication)Transparenz: Fonds besitzt tatsächlich Aktien [17]
Dividenden-Akkumulation oder -AusschüttungAccumulating (thesaurierend)Automatische Reinvestition, keine Steuer bis Verkauf [18]
Fondsgröße (AUM)Mindestens €100 MioLiquidität und geringes Risiko der Fondsschließung [19]
TER (Total Expense Ratio)Unter 0,3% jährlichVerwaltungskosten des Fonds [20]
FondsdomizilIrland oder LuxemburgSteuereffizienz für deutsche Residenten [21]

Beispiele beliebter ETFs (keine Empfehlung)

ETFIndexTERTyp
iShares Core MSCI World (ISIN: IE00B4L5Y983)MSCI World (entwickelte Märkte)0,20%Accumulating [22]
Vanguard FTSE All-World (ISIN: IE00BK5BQT80)FTSE All-World (entwickelte + Schwellenländer)0,22%Accumulating [23]
SPDR MSCI ACWI IMI (ISIN: IE00B3YLTY66)MSCI ACWI IMI (global, inkl. Small Caps)0,17%Accumulating [24]

Für die erste Investition reicht ein globaler Index-ETF. Diversifikation nach Ländern, Sektoren, Währungen ist bereits eingebaut.

Sparplan einrichten (automatischer Investitionsplan)

Sparplan ist das automatische Abbuchen eines festen Betrags von Ihrem Konto zum Kauf eines ausgewählten ETF (monatlich, quartalsweise etc.) [25].

Vorteile des Sparplans

VorteilErklärung
Durchschnittskosteneffekt (Cost Averaging)Sie kaufen sowohl bei Anstiegen als auch bei Rückgängen — reduziert das Risiko schlechten Timings [26]
AutomatismusKeine wiederholte Entscheidung "kaufen oder nicht" nötig — reduziert emotionale Belastung
DisziplinInvestieren wird zur Gewohnheit wie Mietzahlung

Wie einrichten

  1. Im Broker-Kundenportal: Bereich "Sparplan" oder "Savings Plan"
  2. ETF auswählen nach ISIN (internationale Wertpapierkennnummer)
  3. Betrag angeben — von €1 bis €10.000/Monat (je nach Broker) [11]
  4. Häufigkeit wählen — üblicherweise monatlich, am ersten oder fünfzehnten
  5. Bestätigen — Geld wird automatisch abgebucht

Sie können den Sparplan jederzeit ändern oder beenden — das ist keine jahrelange Verpflichtung.

Wie viel investieren

Es gibt keine universelle Antwort — hängt von Einkommen, Ausgaben, Zielen, psychologischem Komfort ab.

Framework zur Betragsbestimmung

FaktorWie berücksichtigen
50/30/20-Regel20% des Nettoeinkommens für Sparen/Investieren [27]
Nach PflichtausgabenNur investieren, was Sie 10+ Jahre nicht brauchen
Psychologischer KomfortBetrag sollte keine Angst auslösen. Beginnen Sie mit €50–100, steigern Sie schrittweise
Langfristperspektive€200/Monat über 20 Jahre bei 7% jährlich ≈ €104.000 (ohne Steuern und Inflation) [28]

Beginnen Sie klein. Psychologisch wichtiger ist es, eine Gewohnheit zu bilden, als sofort große Beträge anzulegen.

Besteuerung

Gewinne aus Investitionen werden in Deutschland besteuert:

  • Kapitalertragsteuer: 25%
  • Solidaritätszuschlag: 5,5% der Kapitalertragsteuer = 1,375%
  • Kirchensteuer: 8–9%, wenn Sie Kirchenmitglied sind [6]

Gesamt: 26,375% ohne Kirchensteuer.

Was besteuert wird

  • Gewinne aus ETF-Verkauf (Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis)
  • Dividenden von Aktien oder ausschüttenden ETFs
  • Nicht besteuert: Unrealisierte Gewinne (Wertsteigerung von ETF, die Sie noch nicht verkauft haben)

Freistellungsauftrag (erneut)

Die ersten €1.000 Gewinn pro Jahr sind steuerfrei (€2.000 für Paare) [6]. Richten Sie dies in jedem Depot ein.

Vorabpauschale

Seit 2018 erhebt Deutschland eine Vorabpauschale — Minimalsteuer auf thesaurierende ETFs, auch wenn Sie diese nicht verkauft haben [29]. Berechnet auf Basis des Bundesbank-Basiszinses und des Fondswerts zum Jahresanfang.

In der Praxis: Bei niedrigen Zinssätzen (2023–2025) beträgt die Vorabpauschale etwa 0,5–1% des Fondswerts. Der Broker bucht die Steuer automatisch im Januar des Folgejahres ab.

Beispiel: Wenn Ihr ETF €10.000 wert ist, Vorabpauschale ≈ €50–100 pro Jahr (abhängig vom Basiszins).

Risiken und Kompromisse

RisikoErklärungWie reduzieren
MarktrisikoIndex kann in Krisen um 30–50% fallen (wie 2008, 2020) [30]Investieren Sie für 10+ Jahre, verkaufen Sie nicht in Panik
WährungsrisikoWenn ETF in Dollar, beeinflusst €/$-Kurs Ihren Gewinn [31]Akzeptieren Sie als Teil globaler Diversifikation
Inflationsrisiko7% jährliches Wachstum minus 2% Inflation = 5% reales WachstumAktien übertreffen historisch langfristig die Inflation [32]
LiquiditätsrisikoKleine ETFs können geschlossen werden [19]Wählen Sie Fonds mit AUM über €100 Mio
Psychologisches RisikoVerkauf am Tiefpunkt aus PanikAutomatisieren Sie durch Sparplan, schauen Sie nicht täglich auf Konto

Schlüssel: Volatilität (Preisschwankungen) ist kein Risiko, wenn Sie nicht verkaufen. Risiko ist Verkauf mit Verlust wegen Emotionen oder fehlendem Sicherheitspolster.

Wann man nicht investieren sollte

SituationWarum
Kein FinanzpolsterSie werden gezwungen in Krisen zu verkaufen
Geld wird in 1–5 Jahren benötigtMarkt könnte genau dann im Minus sein
Hohe Schulden (Kredite über 5%+)Schulden tilgen ist profitabler als Investition mit 7% Risiko [33]
Boat-Phase (erste 1–2 Jahre in Deutschland)Fokus auf Überleben und Stabilität, nicht Wachstum
Psychologisch nicht bereit für -30%Das ist normal. Warten Sie, bis Vertrauen ins System gefestigt ist

Checkliste vor erster Investition

  • Finanzpolster für 3–6 Monate Ausgaben vorhanden
  • Steuernummer (Steuer-ID) erhalten
  • Online-Broker mit BaFin-Lizenz gewählt
  • Depot eröffnet und verifiziert
  • Freistellungsauftrag eingerichtet
  • Globaler Index-ETF gewählt (MSCI World / FTSE All-World / ACWI)
  • Sparplan auf komfortablen Betrag eingerichtet
  • Verstehe, dass Geld für 10+ Jahre gebunden ist
  • Bereit für Rückgänge von 30–50% ohne Panik

Wann professionelle Hilfe nötig ist

Wenden Sie sich an einen Honorarberater (unabhängigen Finanzberater) oder Steuerberater, wenn:

  • Komplexe Steuersituation — Einkommen in mehreren Ländern, Erbschaft, Kryptowährung
  • Große Beträge — Erbschaft, Unternehmensverkauf, Abfindung über €50.000
  • Individueller Plan nötig — unter Berücksichtigung von Rente, Immobilien, Kindern, Erbschaft
  • Zweifel bei Auswahl — Angst vor Fehlern bei großem Betrag

Nicht zu Bank-"Beratern" gehen — deren Aufgabe ist es, Bankprodukte zu verkaufen, nicht Ihr Vermögen zu optimieren.

FAQ

Keine Rechts- oder Finanzberatung.

VideoIdent funktioniert nicht mit meinem ausländischen Reisepass — was tun?

VideoIdent-Fehler mit Nicht-EU-Pässen sind ein häufiges Problem. Der Verifizierungsdienst erkennt möglicherweise das Dokumentformat, die Sicherheitsmerkmale oder die Zeichenkodierung nicht. Alternativen: (1) PostIdent — Besuch in einer beliebigen Deutsche-Post-Filiale mit Reisepass, der Mitarbeiter verifiziert die Identität persönlich. Langsamer (2–5 Werktage), aber zuverlässiger für ausländische Dokumente; (2) den Aufenthaltstitel verwenden, wenn der Broker ihn akzeptiert — einige tun das; (3) einen anderen Broker ausprobieren — Erkennungsraten variieren zwischen Verifizierungsanbietern (IDnow, WebID usw.); (4) einige Broker (z.B. ING, Consorsbank) bieten Identifizierung in der Filiale an. Wenn Sie einen deutschen Personalausweis haben, ist dieses Problem irrelevant — aber für Einwohner mit ausländischen Pässen ist PostIdent die zuverlässigste Alternative. Kontaktieren Sie den Broker-Support mit Ihrem spezifischen Dokumenttyp, bevor Sie mehrfach fehlgeschlagene Verifizierungen versuchen.

Ich habe eine große Summe erhalten (Erbschaft, Umzug) — alles auf einmal oder per Sparplan investieren?

Akademische Forschung (Vanguard 2012) zeigt, dass die Einmalanlage eine zeitlich verteilte Investition in etwa zwei Dritteln der historischen Perioden übertrifft, weil Märkte generell steigen und verzögertes Investieren verpasste Renditen bedeutet. Allerdings ist für Einwanderer die psychologische Dimension wichtiger: eine große Summe zu investieren (z.B. 50.000 € aus Immobilienverkauf oder Erbschaft) und im ersten Jahr einen 20%-Rückgang zu sehen, ist emotional verheerend für jemanden, der bereits finanzielle Verluste erlebt hat. Ein phasenweiser Ansatz — beispielsweise 20% sofort und 20% jedes Quartal im nächsten Jahr investieren — opfert etwas erwartete Rendite zugunsten psychologischer Tragfähigkeit. Der Unterschied im erwarteten Ergebnis zwischen sofortiger und 12-monatiger phasenweiser Investition beträgt typischerweise 1–3% des Gesamtbetrags. Steueraspekt: Eine große Einmalinvestition bedeutet eine höhere Vorabpauschale ab Januar des Folgejahres.

Mein Heimatland besteuert ausländisches Investmenteinkommen — Doppelbesteuerung?

Wenn Sie in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig sind, besteuert Deutschland Ihr Welteinkommen — einschließlich Investmenteinkommen. Wenn Ihr Herkunftsland ebenfalls den Anspruch erhebt, Ihr Investmenteinkommen zu besteuern, bestimmt das DBA (Doppelbesteuerungsabkommen) zwischen Deutschland und diesem Land den Vorrang. Die meisten DBAs weisen die Kapitalertragsbesteuerung dem Wohnsitzstaat (Deutschland) zu und eliminieren den Anspruch des Herkunftslandes. Allerdings: (1) einige Länder (z.B. USA für Staatsbürger und Green-Card-Inhaber) besteuern basierend auf Staatsangehörigkeit unabhängig vom Wohnsitz; (2) einige Länder haben kein DBA mit Deutschland; (3) selbst mit DBA kann eine Steuererklärung im Herkunftsland erforderlich sein, um die Befreiung zu beanspruchen. Praktischer Schritt: den spezifischen DBA-Text (auf der BMF-Website verfügbar) prüfen und einen auf internationales Steuerrecht spezialisierten Steuerberater konsultieren, wenn Ihre Situation doppelte Steuerpflichten umfasst.

Kann ich mein bestehendes ausländisches Brokerkonto (Interactive Brokers usw.) behalten?

Ja, aber mit steuerlichen Compliance-Pflichten. Als deutscher Steuerresidenter müssen Sie ALLE Anlageeinkünfte aus ausländischen Konten in Ihrer Steuererklärung angeben (Anlage KAP und Anlage KAP-INV). Ausländische Broker behalten KEINE deutsche Kapitalertragsteuer ein — Sie sind selbst für die Deklaration und Zahlung verantwortlich. Das bedeutet: (1) kein automatischer Freistellungsauftrag — den Sparerpauschbetrag machen Sie über die Steuererklärung geltend; (2) Vorabpauschale bei thesaurierenden ETFs muss manuell berechnet und deklariert werden; (3) sämtliche Dividenden- und Kapitalertragsdokumentation in EUR ist erforderlich (Umrechnung zu EZB-Referenzkursen). Interactive Brokers konkret: erstellt jährliche Steuerberichte, diese folgen jedoch US-/internationalen Formaten, nicht den deutschen Anlage-KAP-Anforderungen — manuelle Anpassung oder ein Steuerberater sind typischerweise erforderlich. Ein deutsches Depot vereinfacht die Compliance erheblich, weil der Broker alle steuerlichen Einbehalte automatisch abwickelt.

Ich habe in meinem Heimatland in Krypto investiert — wie melde ich das in Deutschland?

Kryptogewinne werden in Deutschland als privates Veräußerungsgeschäft (§ 23 EStG) besteuert, NICHT als Kapitalertragsteuer. Kernregeln: (1) bei Haltedauer über 1 Jahr (Haltefrist) sind Gewinne komplett steuerfrei — unabhängig von der Höhe; (2) bei Verkauf innerhalb von 1 Jahr werden Gewinne über 1.000 € (seit 2024, zuvor 600 €) mit Ihrem persönlichen Einkommensteuersatz besteuert (bis 45%); (3) Kaufdatum und Anschaffungskosten aus dem Herkunftsland werden übernommen — Dokumentation des ursprünglichen Kaufpreises und Datums ist erforderlich; (4) Krypto-zu-Krypto-Tausch (z.B. BTC zu ETH) ist ein steuerpflichtiges Veräußerungsereignis; (5) Staking- und Lending-Einkünfte werden als Einkünfte aus sonstigen Leistungen besteuert. Die Deklaration erfolgt in Anlage SO der Steuererklärung. Bewahren Sie vollständige Transaktionsaufzeichnungen auf — Börsen wie Binance oder Coinbase bieten Export-Tools. Deutsche Steuerbehörden gleichen zunehmend Börsendaten über internationale Informationsaustausch-Abkommen ab.

Quellen

  1. Trade Republic, "Konto eröffnen" — Registrierungs- und Verifizierungsprozess, Trade Republic Support, Zugriff 2025, https://support.traderepublic.com/de-de/103-Wie-er%C3%B6ffne-ich-ein-Konto
  2. Bundesverband deutscher Banken, "Einlagensicherung" — Einlagensicherungssystem in Deutschland, 2024, https://bankenverband.de/service/einlagensicherung/
  3. BaFin, "Unternehmensdatenbank" — Datenbank lizenzierter Finanzorganisationen, Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, 2025, https://www.bafin.de/DE/PublikationenDaten/Datenbanken/Unternehmensdatenbank/unternehmensdatenbank_node.html
  4. Börse Frankfurt, "Wertpapierdepot: Ihre Wertpapiere sind Sondervermögen" — Rechtsstatus von Wertpapieren im Depot, Deutsche Börse AG, 2024, https://www.boerse-frankfurt.de/wissen/etf/depot
  5. MSCI, "MSCI World Index Historical Data" — Historische Volatilitätsdaten des Index, MSCI Inc., 2024, https://www.msci.com/documents/10199/149ed7bc-316e-4b4c-8ea4-43fcb5bd6523
  6. Bundesministerium der Finanzen, "Abgeltungsteuer" — Besteuerung von Kapitaleinkünften, 2024, https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Standardartikel/Themen/Steuern/Weitere_Steuerthemen/Abgeltungsteuer/abgeltungsteuer.html
  7. Vanguard, "Investing for the long term: Why time in the market beats timing the market" — Studie zu Anlagehorizonten, Vanguard Research, 2023, https://investor.vanguard.com/investor-resources-education/news/why-time-in-the-market-beats-timing-the-market
  8. Finanztip, "Die besten ETF-Depots 2025" — Vergleich von Online-Brokern und Gebühren, Finanztip Verbraucherinformation gGmbH, Januar 2025, https://www.finanztip.de/wertpapierdepot/
  9. Stiftung Warentest, "Depotkosten-Rechner: Was Depots kosten" — Depot-Kostenrechner, Stiftung Warentest, Dezember 2024, https://www.test.de/Depotkosten-Rechner-1136502-0/
  10. Verbraucherzentrale, "Wertpapierdepot: Gebühren vergleichen" — Bank-Depot-Kosten, Verbraucherzentrale Bundesverband, 2024, https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/geld-versicherungen/sparen-und-anlegen/wertpapierdepot-gebuehren-vergleichen-13004
  11. Scalable Capital, "Sparplan anlegen" — Sparplan-Mindestbeträge und -Bedingungen, Scalable Capital Support, 2025, https://de.scalable.capital/hilfe/sparplan-anlegen
  12. Trade Republic, "Kosten & Gebühren" — Trade Republic Tarife und Gebühren, 2025, https://traderepublic.com/de-de/kosten
  13. Scalable Capital, "Preise" — Scalable Capital Tarife, 2025, https://de.scalable.capital/preise
  14. finanzen.net zero, "Konditionen" — finanzen.net zero Bedingungen, 2025, https://www.finanzen-zero.de/konditionen
  15. BaFin, "WpHG: Wohlverhaltensregeln" — Anforderungen zur Bewertung des Kundenwissens, Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, 2024, https://www.bafin.de/DE/Aufsicht/BankenFinanzdienstleister/Wohlverhaltensregeln/wohlverhaltensregeln_node.html
  16. Blackrock, "What is an ETF?" — Was ist ein ETF, iShares by Blackrock, 2024, https://www.ishares.com/us/education/what-is-an-etf
  17. Morningstar, "Physical vs. Synthetic ETFs: What's the Difference?" — Physische und synthetische Replikation, Morningstar Research, 2023, https://www.morningstar.com/lp/etf-replication-methods
  18. Deutsche Bundesbank, "Thesaurierende und ausschüttende Fonds" — Thesaurierende und ausschüttende Fonds, Bundesbank Eurosystem, 2024, https://www.bundesbank.de/de/service/schule-und-bildung/erklaerfilme/thesaurierende-und-ausschuettende-fonds-796854
  19. justETF, "ETF-Größe: Warum ist sie wichtig?" — Fondsgröße und Liquiditätsrisiken, justETF GmbH, 2024, https://www.justetf.com/de/academy/etf-groesse.html
  20. European Securities and Markets Authority (ESMA), "Key Information Documents (KIDs): TER explanation" — TER-Erklärung, ESMA, 2024, https://www.esma.europa.eu/
  21. PwC Germany, "Fund Domicile: Ireland vs Luxembourg for German Investors" — Steuereffizienz des Fondsdomizils, PricewaterhouseCoopers, 2023, https://www.pwc.de/en/financial-services/asset-management.html
  22. iShares, "iShares Core MSCI World UCITS ETF (ISIN: IE00B4L5Y983)" — ETF-Factsheet, Blackrock, Dezember 2024, https://www.ishares.com/de/privatanleger/de/produkte/251882/
  23. Vanguard, "Vanguard FTSE All-World UCITS ETF (ISIN: IE00BK5BQT80)" — ETF-Factsheet, Vanguard Group, Dezember 2024, https://www.vanguard.de/de/professionell/anlageprodukte/etf/aktien/9679/ftse-all-world-ucits-etf-usd-accumulating
  24. State Street Global Advisors, "SPDR MSCI ACWI IMI UCITS ETF (ISIN: IE00B3YLTY66)" — ETF-Factsheet, SSGA, Dezember 2024, https://www.ssga.com/de/de/institutional/etfs/funds/spdr-msci-acwi-imi-ucits-etf-acc-smia-gy
  25. Verbraucherzentrale, "Sparplan: Regelmäßig Geld anlegen" — Erklärung des Sparplan-Mechanismus, Verbraucherzentrale Bundesverband, 2024, https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/geld-versicherungen/sparen-und-anlegen/sparplan-regelmaessig-geld-anlegen-12805
  26. Vanguard Research, "Dollar-cost averaging vs. lump-sum investing" — Studie zum Durchschnittskosteneffekt, Vanguard, 2022, https://investor.vanguard.com/investor-resources-education/news/dollar-cost-averaging-vs-lump-sum-investing
  27. U.S. Senator Elizabeth Warren, "All Your Worth: The Ultimate Lifetime Money Plan" — 50/30/20-Regel, Free Press, 2006 (angepasst für deutschen Kontext)
  28. Compound Interest Calculator — Online-Zinseszinsrechner (verfügbar auf Investor.gov, SEC), 2025, https://www.investor.gov/financial-tools-calculators/calculators/compound-interest-calculator
  29. Bundesministerium der Finanzen, "Investmentsteuerreform: Vorabpauschale" — Erklärung der Vorabpauschale, BMF, 2024, https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Standardartikel/Themen/Steuern/Weitere_Steuerthemen/Investmentsteuerreform/investmentsteuerreform.html
  30. S&P Dow Jones Indices, "S&P 500 Historical Drawdowns" — Historische Index-Rückgänge, S&P Global, 2024, https://www.spglobal.com/spdji/en/indices/equity/sp-500/
  31. European Central Bank, "EUR/USD Exchange Rate Historical Data" — Historische Daten Euro/Dollar-Kurs, ECB, 2024, https://www.ecb.europa.eu/stats/policy_and_exchange_rates/euro_reference_exchange_rates/html/eurofxref-graph-usd.en.html
  32. Deutsche Bundesbank, "Langfristige Renditen von Aktien und Anleihen" — Langfristige Aktienrendite vs. Inflation, Bundesbank Monatsbericht, Oktober 2023, https://www.bundesbank.de/de/publikationen/berichte/monatsberichte
  33. Finanztip, "Schulden abbauen oder Geld anlegen?" — Priorität der Schuldentilgung, Finanztip, 2024, https://www.finanztip.de/schulden-abbauen-oder-geld-anlegen/