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Rürup-Rente (Basisrente)

Rürup-Rente (Basisrente — Basisrente) ist ein privates Rentenprogramm mit staatlichen Steuerabzügen bis zu 27.566 € pro Jahr für Selbstständige. Geld ist bis 62 gesperrt, Auszahlungen nur als Rente, aber bei Umzug aus der EU keine Rückzahlung von Zulagen (im Gegensatz zu Riester). Vorteilhaft für Selbstständige mit hohem Einkommen und diejenigen, die definitiv bis zur Rente in Deutschland bleiben.

So funktioniert es

Du zahlst Beiträge in einen privaten Rentenfonds oder eine Versicherungsgesellschaft. Beiträge mindern das zu versteuernde Einkommen — der Staat gibt einen Teil des Geldes über Steuerabzug zurück. Ab 2025 sind 100% der Beiträge vom steuerpflichtigen Einkommen absetzbar (bis zur Grenze) [1].

Nach Renteneintritt (nicht vor 62 Jahren) erhältst du eine monatliche Rente. Die Rente unterliegt der Einkommensteuer zum Zeitpunkt des Renteneintritts [2].

Steuerabzüge

Ab 2025 erkennt der Staat 100% der Beiträge als Abzug vom zu versteuernden Einkommen an (in 2024 — 100%, in 2023 — 96%) [3].

Beitragsgrenzen für 2025 [4]:

  • Für Alleinstehende: 27.566 €/Jahr
  • Für Ehepaare (gemeinsame Veranlagung): 55.132 €/Jahr

Ersparnis-Berechnung: Wenn du 10.000 € Beitrag bei 42% Steuersatz zahlst, gibt der Staat 4.200 € über Steuerabzug zurück.

Für wen lohnt es sich

Rürup kann von jedem steuerlich in Deutschland Ansässigen eröffnet werden. Mathematisch vorteilhaft für [5]:

  • Selbstständige und Freiberufler — sie haben keinen Zugang zu Riester und keine Arbeitgeberbeiträge in bAV (betriebliche Altersvorsorge)
  • Personen mit Einkommen über 60.000 €/Jahr — Steuersatz erreicht 42%, Abzug gibt 4.200 € pro 10.000 € Beitrag zurück
  • Diejenigen, die Spitzensteuersatz (maximaler Steuersatz 45%) zahlen — bei Einkommen über 277.826 € beträgt die Rückerstattung 4.500 € pro 10.000 € Beitrag [6]

Vorteile

VorteilBeschreibung
Steuervorteile100% der Beiträge absetzbar
PfändungsschutzGeschützt bei Insolvenz
Für Selbstständige geeignetAnders als Riester

Nachteile

NachteilBeschreibung
Keine FlexibilitätGeld bis 62 gesperrt
Nur VerrentungKeine Einmalauszahlung möglich
Nicht vererbbarKann normalerweise nicht vererbt werden
Steuern auf AuszahlungenRente wird besteuert

Vorteil bei Auslandsmobilität: Keine „schädliche Verwendung"

Anders als bei Riester unterliegt Rürup nicht den Rückzahlungsregeln bei Verlassen der EU. Relevant für alle, die später eventuell auswandern möchten.

SzenarioRiesterRürup
Umzug in die USAAlle Zulagen + Steuervorteile zurückzahlenVolle Ansprüche behalten
Umzug nach UKAlle Zulagen + Steuervorteile zurückzahlenVolle Ansprüche behalten
Umzug in die SchweizAlle Zulagen + Steuervorteile zurückzahlenVolle Ansprüche behalten

Die Besteuerung der Rente im Ruhestand hängt vom Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) mit dem Wohnsitzland ab.

Rechenbeispiel

Selbstständiger mit 80.000 € Einkommen:

  • Beitrag 10.000 €/Jahr
  • Steuerersparnis ~4.200 €/Jahr (bei 42% Steuersatz)

Für wen lohnt es sich?

Lohnt sichLohnt sich nicht
Selbstständige mit hohem EinkommenArbeitnehmer (haben Riester)
Personen näher am RentenalterJunge mit niedrigem Einkommen
Wer Insolvenzschutz brauchtWer Flexibilität schätzt

Alternative: ETF

ETFs als Alternative zu Rürup haben andere Eigenschaften:

KriteriumRürupETF
Steuerabzug jetztJa, bis zu 27.566 €/JahrNein
FlexibilitätGesperrt bis 62Jederzeit abhebbar
VererbungNein (normalerweise)Ja
Steuer auf AuszahlungenVolle RenteNur Gewinn, 26,4%
GläubigerschutzJaNein

Die Wahl hängt von deinem Steuersatz, Alter, Flexibilitätsbedarf und Migrationsplänen ab.

FAQ

Keine Rechts- oder Finanzberatung.

Ich bin Freiberufler mit 40.000 € Einkommen — lohnt sich Rürup unter dem 42%-Satz?

Bei einem zu versteuernden Einkommen von 40.000 € (2025) liegt der Grenzsteuersatz bei etwa 37%. Ein Rürup-Beitrag von 5.000 € ergibt eine Steuerersparnis von ~1.850 €. Die Frage ist, ob dieser Steuervorteil plus der Pfändungsschutz den Verlust an Flexibilität aufwiegt (Geld bis 62 gesperrt, keine Einmalauszahlung, keine Vererbung). Vergleich: 5.000 € in ein freies ETF-Portfolio bei 7% über 25 Jahre ergeben ~27.000 € — jederzeit verfügbar, vererbbar, besteuert mit 26,375% nur auf den Gewinn. Bei Rürup wachsen die 5.000 € ähnlich, werden aber als volles Einkommen zum Grenzsteuersatz in der Rente besteuert (potenziell 25–35%). Der Schwellenwert, ab dem Rürup klar gewinnt: Grenzsteuersatz jetzt über 40% UND erwarteter Steuersatz in der Rente unter 30%. Bei 40.000 € Einkommen ist die Rechnung knapp — individuelle Faktoren (Rentenplanung, Wohnsitzland in der Rente, Insolvenzrisiko) bestimmen das Ergebnis.

Kann ich die Rürup-Beiträge pausieren oder reduzieren?

Ja, mit Einschränkungen. Rürup ist bezüglich der Beitragshöhe flexibel — es gibt keinen Pflichtmindestbeitrag, anders als bei manchen Versicherungsprodukten. Du kannst Beiträge in einem Jahr auf bis zu 0 € reduzieren (Beitragsfreistellung). Allerdings: Die konkreten Bedingungen hängen vom Produkttyp ab. Fondsgebundene Rürup (fondsgebundene Basisrente) erlaubt typischerweise volle Flexibilität. Klassische Rentenversicherung kann vertragliche Mindestbeiträge haben — prüfe den Versicherungsschein. Der Steuervorteil ist proportional zum Beitrag: 0 € Beitrag = 0 € Abzug. Wiederaufnahme oder Erhöhung der Beiträge später ist möglich im Rahmen des Jahresmaximums (27.566 € für Alleinstehende in 2025).

Was passiert mit meinem Rürup, wenn ich vor der Rente sterbe?

Standard-Rürup: Das angesammelte Kapital geht verloren — es geht nicht an die Erben. Dies ist eine grundlegende Konstruktionseigenschaft: Rürup folgt dem Prinzip der Basisversorgung, analog zur gesetzlichen Rente aufgebaut. Allerdings bieten die meisten modernen Rürup-Produkte optionalen Hinterbliebenenschutz: eine Rentengarantiezeit von 5–10 Jahren — wenn du innerhalb dieses Zeitraums nach Rentenbeginn stirbst, wird die Rente weiter an den überlebenden Ehepartner oder die Kinder gezahlt. Eine separate Hinterbliebenenrente kann für den Ehepartner hinzugefügt werden. Diese Optionen reduzieren deine eigene Rente um 5–15%. Ohne diese Zusatzoptionen geht das Geld an die Versichertengemeinschaft. Zum Vergleich: ETF-Investitionen sind zu 100% vererbbar, ohne zusätzliche Kosten.

Ich plane, Deutschland in 10 Jahren zu verlassen — macht Rürup Sinn?

Anders als bei Riester verlangt Rürup KEINE Rückzahlung der Steuervorteile bei Wegzug aus Deutschland oder sogar aus der EU. Die Rente wird ab dem Rentenalter unabhängig vom Wohnsitzland ausgezahlt. Die steuerliche Behandlung hängt vom DBA (Doppelbesteuerungsabkommen) zwischen Deutschland und dem neuen Land ab. In vielen DBA wird Renteneinkommen im Wohnsitzland besteuert, nicht in Deutschland — potenziell zu einem niedrigeren Satz. Der Risikofaktor: Wenn du nach nur 10 Jahren Beiträgen gehst, kann das angesammelte Kapital bescheiden sein, und die Inflexibilität (keine Entnahme bis 62, nur als monatliche Rente) reduziert den Nutzen. Der Steuervorteil von bis zu 27.566 €/Jahr ist sofort und sicher. Die Frage: Rechtfertigen 10 Jahre Steuerersparnis (potenziell 40.000–80.000 € gesamt, je nach Beitragshöhe und Steuersatz) die Sperrung dieses Kapitals bis zum Alter von 62 Jahren.

Kann ich Rürup-Beiträge innerhalb des Vertrags in ETFs investieren?

Ja, fondsgebundene Rürup-Produkte (fondsgebundene Basisrente) ermöglichen Investitionen in ETFs und Fonds. Anbieter wie fairr (von Raisin), ETF Rürup von myPension und mehrere Versicherungsunternehmen bieten ETF-basierte Optionen mit einer Gesamtkostenquote (TER) von oft unter 1% (einschließlich Produktmantelkosten). Der zentrale Kostenvergleich: (1) Mantelkosten — typischerweise 0,3–0,7%/Jahr, (2) TER des zugrunde liegenden ETFs — 0,1–0,3%, (3) laufende Gesamtkosten: 0,5–1,0%/Jahr. Zum Vergleich mit einem freien ETF-Depot: 0,1–0,3% gesamt. Die zusätzlichen 0,3–0,7% sind der Preis für den Rürup-Steuervorteil. Ob sich das lohnt, hängt vom Grenzsteuersatz ab (höherer Satz = größerer Steuervorteil = schnellerer Break-even der Mehrkosten). Klassische Rürup-Rentenversicherung mit Garantiezins bietet Sicherheit, aber die Rendite liegt typischerweise unter 2% — in den meisten Jahren unter der Inflation.

Quellen

  1. Bundesministerium der Finanzen — Alterseinkünftegesetz: Steuerpflicht von Renten und Beiträge zur Basisversorgung, https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Standardartikel/Themen/Steuern/Weitere_Steuerthemen/Altersvorsorge/alterseinkunftegesetz.html
  2. Deutsche Rentenversicherung — Besteuerung von Renten, https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Rente/Allgemeine-Informationen/Wissenswertes-zur-Rente/FAQs/Besteuerung/besteuerung_node.html
  3. Bundesministerium der Finanzen — Höchstbeiträge zur Altersvorsorge 2025, https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Downloads/BMF_Schreiben/Steuerarten/Einkommensteuer/2024-11-08-hB-altersvorsorge-2025.html
  4. § 10 Abs. 3 EStG — Sonderausgaben: Vorsorgeaufwendungen, https://www.gesetze-im-internet.de/estg/__10.html
  5. Stiftung Warentest — Rürup-Rente: Für wen sie sich lohnt, https://www.test.de/Ruerup-Rente-Basis-Rente-Test-1176050-0/
  6. Bundesministerium der Finanzen — Einkommensteuertarif 2025, https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Standardartikel/Themen/Steuern/Steuerarten/Einkommensteuer/einkommensteuertarif.html