Lebenseinkommensprofil
Ein Lebenseinkommensprofil ist der Verlauf des Einkommens über ein Erwerbsleben, keine Gerade. Typische Profile zeigen steiles Wachstum in den ersten 10-15 Berufsjahren, ein Plateau in den mittleren Jahren und manchmal einen Rückgang gegen Ende der Karriere. Die Form unterscheidet sich systematisch je nach Ausbildungsweg, nicht nur beim Einstiegsgehalt.
Warum das wichtig ist
Zwei Karrieren oder zwei Ausbildungswege nur am Einstiegsgehalt zu vergleichen, verzerrt das Bild. Ein niedrigeres Einstiegsgehalt mit einer steileren Kurve kann ein höheres Einstiegsgehalt mit einer flacheren Kurve überholen – die Frage lautet nicht „Wer verdient dieses Jahr mehr?", sondern „Wer verdient bis zu welchem Alter kumuliert mehr?".
Die Weiche zwischen einem Studium und einer Ausbildung stellt sich schon am Tag null des Geldes nach genau dieser Logik. Ein Ausbildungsweg verdient Jahre früher und erreicht oft schneller ein höheres Gehalt, ein Studienweg startet dagegen häufig später und niedriger, steigt dann aber nach dem Abschluss schneller. Ob und wann ein Weg den anderen überholt, hängt vom Unterschied in der Steigung ab – nicht davon, wer mit 20 „mehr verdient".
Rechenbeispiel
Die folgenden Zahlen dienen nur zur Veranschaulichung – eine vereinfachte Form zum Nachdenken, keine gemessenen Statistiken für einen realen Beruf.
| Alter | Ausbildungsweg: kumuliertes Bruttoeinkommen | Studienweg: kumuliertes Bruttoeinkommen |
|---|---|---|
| 18 | 28.000 € (1. Jahr der bezahlten Ausbildung) | 0 € (im Studium, kein Einkommen) |
| 22 | 130.000 € | 0 € (noch im Studium) |
| 25 | 230.000 € | 60.000 € (erste 2 Jahre nach dem Abschluss) |
| 30 | 400.000 € | 380.000 € |
| 35 | 580.000 € | 650.000 € |
In dieser Darstellung hat der Ausbildungsweg einen Vorsprung von vier Jahren und einen gleichmäßigen frühen Anstieg, während der Studienweg während des Studiums nichts verdient, danach aber steil wächst – die beiden kumulierten Summen kreuzen sich irgendwo um das Alter 30-32. Reale Kreuzungspunkte variieren je nach Fachrichtung, Region und individuellem Karriereverlauf; die Tabelle zeigt den Mechanismus (ein Vorsprung gegen eine steilere Steigung), keine Aussage über einen bestimmten Beruf.
Derselbe Mechanismus erklärt, warum eine Erwerbsunterbrechung mehr kostet als die sichtbare monatliche Lücke. Eine Unterbrechung im steilen Abschnitt am Karrierebeginn kostet nicht nur das fehlende Gehalt während der Pause, sie verzögert auch den Eintritt in das höher verdienende Plateau – die verlorenen Jahre verschieben die gesamte spätere Kurve nach hinten.
Teste dich selbst
Welche Aussage beschreibt ein typisches Lebenseinkommensprofil am besten?
Im Rechenbeispiel zeigt der Ausbildungsweg im Alter von 25 Jahren ein illustratives kumuliertes Bruttoeinkommen von `230.000 €`, der Studienweg `60.000 €`. Wie groß ist die illustrative Lücke zwischen den beiden Wegen in diesem Alter, in Euro?
Warum kann eine einjährige Erwerbsunterbrechung, die früh in einem steilen Abschnitt des Einkommensprofils genommen wird, mehr kosten als die sichtbaren 12 Monate fehlendes Gehalt?