Anleiheähnliches vs. aktienähnliches Einkommen
Anleiheähnliches Einkommen ist stabil und vorhersehbar, wie der feste Kupon einer Anleihe. Aktienähnliches Einkommen schwankt mit Leistung, Marktlage oder Beteiligungen, wie die variable Rendite einer Aktie. Ein Beamtengehalt ist anleiheähnlich, eine provisionslastige Vertriebsrolle oder ein Start-up-Paket mit Unternehmensanteilen ist aktienähnlich. Die meisten echten Jobs liegen irgendwo zwischen diesen beiden Extremen.
Warum das wichtig ist
Humankapital – die künftige Verdienstfähigkeit eines Menschen – verhält sich wie ein Vermögenswert mit eigenem Risikoprofil, nicht nur wie eine Einkommensquelle. Eine Karriere mit anleiheähnlichem Einkommen wirkt bereits wie eine große Anleiheposition im Gesamtportfolio eines Haushalts – noch bevor auch nur ein Euro in ein Depot fließt. Wenn du erkennst, wo ein Job auf diesem Spektrum liegt, änderst du auch, wie viel zusätzliches Risiko anderswo sinnvoll ist: Ein Gehalt, das bereits mit dem Aktienmarkt schwankt, übernimmt einen Teil der Aufgabe, die sonst eine Aktienanlage übernehmen würde.
Durchgerechnete Beispiele
1. Zwei Einkommensarten, gleiches Bruttogehalt. Beide Rollen zahlen im Durchschnitt 4.000 € brutto pro Monat.
| Beamter | Start-up-Mitarbeiter mit Unternehmensanteilen | |
|---|---|---|
| Grundgehalt | 4.000 €/Monat, fest nach Besoldungsgruppe | 3.200 €/Monat Grundgehalt + Unternehmensanteile |
| Schwankung | Nahe null; Gehaltserhöhungen folgen einem festgelegten Stufenplan | Hoch; der Wert der Anteile folgt der Unternehmensentwicklung und kann auf null fallen |
| Jobsicherheit | Vertraglich nur sehr schwer kündbar | Frei kündbar, abhängig vom Fortbestand des Unternehmens |
| Einkommenscharakter | Anleiheähnlich | Aktienähnlich |
Das Gehalt des Beamten ähnelt einer Anleihe mit festem Kupon: vorhersehbar, wenig schwankend, begrenztes Aufwärtspotenzial. Das Paket des Start-up-Mitarbeiters ähnelt einer Aktie: weniger garantiertes Bargeld, aber die Gesamtvergütung kann stark steigen oder auf die Grundvergütung zurückfallen, wenn die Unternehmensanteile wertlos werden.
2. Auswirkung aufs Portfolio, in veranschaulichenden Zahlen. Zwei Personen halten jeweils 50.000 € an Ersparnissen und überlegen, wie sie diese zwischen Anleihen und Aktien aufteilen.
- Person A hat anleiheähnliches Einkommen (eine sichere Stelle im öffentlichen Dienst). Ihre Verdienstkraft wirkt über die gesamte Erwerbskarriere bereits wie eine Anleiheposition, daher konzentriert ein größerer Anteil der 50.000 € in Aktien das Risiko nicht automatisch – das stabile Gehalt gleicht die Schwankungen im Aktienanteil aus.
- Person B hat aktienähnliches Einkommen (provisionslastiger Vertrieb, der an denselben Konjunkturzyklen hängt, die auch die Aktienkurse bewegen). Fließt auch der Großteil der 50.000 € in Aktien, stapeln sich zwei korrelierte Risiken: Ein Abschwung kann Job und Portfolio gleichzeitig treffen.
Das ist ein Denkrahmen, um Diversifikation über Humankapital und Finanzkapital gemeinsam zu betrachten, keine Formel für eine einzig richtige Aufteilung – Jobsicherheit, Branche, Alter und vorhandenes Finanzkapital beeinflussen alle, wo die Balance einer bestimmten Person liegt.
Selbsttest
Welcher Einkommensstrom ist das klarste Beispiel für anleiheähnliches Einkommen?
Welche der folgenden Punkte sind Merkmale von aktienähnlichem Einkommen? Wähle alle zutreffenden Antworten aus.
Zwei Personen halten identische Finanzportfolios über 50.000 €. Person A hat anleiheähnliches Einkommen (ein stabiles Gehalt im öffentlichen Dienst); Person B hat aktienähnliches Einkommen (provisionslastiger Vertrieb, gekoppelt an den Konjunkturzyklus). Welche Aussage ist nach dem Humankapital-Rahmenkonzept zutreffend?
Warum ist es nach diesem Rahmenkonzept bedenklich, aktienähnliches Einkommen mit einem stark aktienlastigen Finanzportfolio zu kombinieren?