Zinssatz
Ein Zinssatz ist der Preis von Geld: ein Prozentsatz eines Betrags, der pro Zeitraum berechnet oder gezahlt wird. Ein Zinssatz von 3 % pro Jahr auf 1.000 € bedeutet, dass in diesem Jahr 30 € den Besitzer wechseln – verdient, wenn die 1.000 € auf einem Sparkonto liegen, geschuldet, wenn sie geliehen sind. Gleicher Satz, gleiche Rechnung, entgegengesetzte Richtung.
Warum das wichtig ist
Der Zinssatz ist die eine Zahl, die beide Seiten einer Haushaltsbilanz bepreist. Ein Tagesgeld-Konto zahlt ihn auf ein Guthaben; ein Dispositionskredit oder ein Konsumentenkredit berechnet ihn auf eine Schuld. Einen Kontoauszug zu lesen bedeutet zu erkennen, auf welcher Seite der Transaktion der genannte Satz gilt.
Die beiden Sätze stimmen selten überein. Banken zahlen auf Einlagen typischerweise einen niedrigeren Satz, als sie auf Kredite berechnen – die Spanne dazwischen ist ein zentraler Teil davon, wie Banken Geld verdienen. Diese Lücke ist ein wiederkehrendes Muster im deutschen Bankwesen: Der Dispositionskredit berechnet tendenziell einen Satz, der um ein Vielfaches höher liegt als das, was ein Tagesgeld-Konto auf Erspartes zahlt.
Durchgerechnete Beispiele
1. Sparen – Tagesgeld-Konto. 1.000 € liegen auf einem Tagesgeld-Konto zu illustrativen 3 % pro Jahr (kein aktueller Marktzins). Nach einem Jahr: 1.000 € x 0,03 = 30 € an Zinsen, vor Steuern auf Kapitalerträge. Der Saldo wächst auf 1.030 €.
2. Schulden – Überziehung. Dieselben 1.000 €, aber als Überziehungsschuld auf einem Girokonto zu illustrativen 11 % pro Jahr. Nach einem Jahr: 1.000 € x 0,11 = 110 € an geschuldeten Zinsen – mehr als das Dreifache des Sparbeispiels, bei identischem Kapital und Zeitraum. Überziehungszinsen liegen weit über den Sparzinsen, weil unbesicherter, kurzfristig kündbarer Kredit für den Kreditgeber mehr Risiko birgt, und weil nur wenige Kunden für einen besseren Dispositionskredit-Zins vergleichen, so wie sie es bei einem Sparkonto tun würden.
3. Die Richtung lesen. Der Zinssatz allein sagt nicht, ob das Geld zum Kontoinhaber fließt oder von ihm weg – das hängt davon ab, ob der zugrunde liegende Betrag ein Vermögenswert (Ersparnisse, eine Anleihe, eine Festgeld-Einlage) oder eine Verbindlichkeit (ein Kredit, ein Kreditkartensaldo, eine Überziehung) ist. Dieselben 5 %, angegeben für ein Sparkonto und für einen Konsumentenkredit, führen für den Kontoinhaber zu entgegengesetzten Ergebnissen.
Nicht verwechseln mit
Der nominale Zinssatz (der genannte Prozentsatz) ist nicht dasselbe wie der effektive Jahreszins – dazu gibt es einen eigenen Artikel. Der nominale Zinssatz berücksichtigt weder, wie oft die Verzinsung innerhalb des Jahres erfolgt, noch etwaige im Produkt enthaltene Gebühren; der effektive Jahreszins bezieht beides ein und kann deshalb spürbar höher ausfallen als der nominale Wert bei demselben Kredit oder Konto. Deutsche Verbraucherkreditangebote müssen den effektiven Jahreszins genau angeben, damit Kreditnehmer Produkte vergleichen können, denn zwei Kredite mit identischem Nominalzins können unterschiedliche tatsächliche Kosten haben.
Teste dich selbst
2.000 € liegen auf einem Sparkonto zu illustrativen 4 % Zinsen pro Jahr. Wie viel Zinsen (in Euro) erwirtschaftet das Konto nach einem Jahr?
500 € Überziehungsschuld liegen auf einem Girokonto zu illustrativen 12 % Zinsen pro Jahr. Wie viel Zinsen (in Euro) kostet das nach einem Jahr?
Zwei Kredite nennen beide einen nominalen Zinssatz von 6 % pro Jahr. Der eine verzinst monatlich und erhebt eine Bearbeitungsgebühr; der andere verzinst einmal pro Jahr ohne Gebühr. Was sagt das über ihre Kosten für den Kreditnehmer aus?
Eine Bank zahlt 2 % pro Jahr auf Tagesgeld und berechnet 10 % pro Jahr auf ihren Dispositionskredit. Was veranschaulicht diese Lücke?