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Effektiver Jahreszins

Level 2 · Fundament
Begriffeffektiver Jahreszins
Zuerst lesenZinseszins
Nicht verwechseln mitZinssatz

Der effektive Jahreszins ist der Gesamtpreis eines Kredits pro Jahr: Sollzins, Zinseszins-Effekt und Pflichtgebühren zusammengefasst in einem Prozentsatz. Das deutsche Recht (Preisangabenverordnung, PAngV) schreibt Kreditgebern die Offenlegung vor. Damit ist er die Zahl, mit der du Kreditangebote vergleichst – der Sollzins allein wirkt immer kleiner.

Warum das wichtig ist

Zwei Kredite können denselben Sollzins bewerben und trotzdem unterschiedlich viel kosten, weil der eine monatlich verzinst und eine Bearbeitungsgebühr erhebt, der andere nicht. Genau diese Lücke soll der effektive Jahreszins schließen: Die Pflichtangabe fasst Zinseszins-Effekt und Gebühren in einer Zahl zusammen, sodass der Sollzins allein nicht zum Vergleich von Angeboten taugt. BNPL (buy now, pay later)- und Dispo-Werbung lebt vom Abstand zwischen den beiden Zahlen und stellt jeweils die kleiner wirkende in den Vordergrund – eine Schlagzeile wie „0 % für 3 Monate" oder ein bescheiden klingender Tageszins –, während der effektive Jahreszins, sobald er offengelegt ist, die vergleichbare Geschichte erzählt.

Beispielrechnung

1. Monatliche Verzinsung. Ein Kredit nennt einen Sollzins von 12 % pro Jahr, monatlich verzinst. Jeden Monat fallen 1 % an (12 % / 12), und die Verzinsung über 12 Monate ergibt (1 + 0,01)^12 - 1 = 0,1268 = 12,68 %. Der effektive Jahreszins liegt bei 12,68 % – sichtbar über dem im Angebot gedruckten Nominalwert von 12 %, allein durch die Zinsperiode, noch bevor eine Gebühr hinzukommt.

2. Eine Gebühr treibt den Zins weiter nach oben. Ein illustrativer Kredit über 5.000 € zu einem Sollzins von 8 % pro Jahr für ein Jahr erhebt zusätzlich eine einmalige Bearbeitungsgebühr von 150 €. Die Zinsen allein kosten 5.000 € x 0,08 = 400 €; mit der Gebühr steigen die Gesamtkosten auf 400 € + 150 € = 550 € bei denselben 5.000 €, was einem effektiven Jahreszins von rund 550 € / 5.000 € = 11 % entspricht – drei Prozentpunkte über dem eingangs genannten Nominalzins von 8 %. Das ist eine vereinfachte Darstellung; die genaue Berechnungsmethode nach PAngV kann je nach Zeitpunkt der Gebühr und Laufzeit leicht abweichen, aber die Richtung bleibt gleich: Gebühren treiben den effektiven Zins immer über den Nominalzins.

Nicht verwechseln mit

Der Sollzins ist der reine Prozentsatz pro Periode – die Zahl, die groß auf dem Angebot steht. Er berücksichtigt weder, wie oft sich der Zins im Jahr verzinst, noch Gebühren, die im Kredit stecken, und genau das lässt ihn strukturell kleiner wirken als den effektiven Jahreszins desselben Produkts. Ein Sollzins von 12 % mit monatlicher Verzinsung und ohne Gebühren liegt effektiv schon bei 12,68 %, noch bevor eine einzige Gebühr hinzukommt – die Lücke wird erst größer, wenn Pflichtkosten (Bearbeitungsgebühr, Kontoführungsgebühren) in die Rechnung einfließen.

Teste dich selbst

Ein Kredit nennt einen Sollzins von 12 % pro Jahr, monatlich verzinst (1 % pro Monat). Wie hoch ist der effektive Jahreszins in Prozent, berechnet mit `(1 + 0,01)^12 - 1`?

Ein Kredit über 5.000 € zu einem Sollzins von 8 % pro Jahr für ein Jahr erhebt zusätzlich eine einmalige Bearbeitungsgebühr von 150 €. Wie hoch ist der effektive Jahreszins in Prozent, näherungsweise berechnet als Gesamtkosten (Zinsen + Gebühr) geteilt durch die Kreditsumme?

Eine BNPL-Werbung (buy now, pay later) titelt mit „0 % für 3 Monate", eine Dispo-Werbung mit einem „Tageszins von nur 0,03 %". Was haben diese beiden beworbenen Zahlen gemeinsam?

Zwei Kreditangebote nennen beide einen Sollzins von 6 % pro Jahr. Was kannst du über ihre wahren Kosten für die kreditnehmende Person schließen?