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Zinsasymmetrie

Schulden zu einem festen Zinssatz zu tilgen bringt denselben Vorteil wie eine garantierte Rendite in gleicher Höhe. Tilgst du damit einen Kredit mit 12 % Jahreszins, sparst du dir genau diese 12 % an Kosten – ein sicheres, steuerfreies Ergebnis, das kaum ein Spar- oder Anlageprodukt ohne Risiko erreicht. Die Asymmetrie besteht zwischen einer garantierten und einer unsicheren Rendite.

Warum das wichtig ist

Dispokredit (Dispo) und andere Konsumentenkredite tragen Zinssätze, die deutlich über dem liegen, was ein Tagesgeld-Konto zahlt. Wer gleichzeitig eine Schuld und ein Sparguthaben hält, leiht sich faktisch zu einem hohen Zinssatz Geld, um es sich selbst zu einem niedrigen Zinssatz zu verleihen – ein Verlustgeschäft, noch bevor der Zinseszins (siehe Voraussetzung) mit einberechnet wird, denn auch unbezahlte Schulden wachsen durch Zinseszins weiter.

Das Konzept zählt vor allem als Gegengewicht zur Schuldenaversion: dem Instinkt, nicht an Schulden denken zu wollen, oder ein Sparpolster „für den Notfall" unangetastet zu lassen, während eine teurere Schuld unbezahlt bleibt. Zinsasymmetrie macht aus der Schuldentilgung eine aktive finanzielle Entscheidung mit einer berechenbaren, risikofreien Auszahlung – nicht nur das Fehlen eines Problems.

Beispielrechnungen

1. Ein kleiner Dispo, Euro für Euro verglichen. Ein Girokonto steht bei −1.000 € im Dispo, zu einem beispielhaften Jahreszins von 12 %. Diese 1.000 € zu tilgen spart 12 % x 1.000 € = 120 € an Zinsen im Jahr, mit Sicherheit. Lässt du die 1.000 € unangetastet und legst stattdessen separat 1.000 € auf einem Tagesgeld-Konto zu beispielhaften 2 % an, bringt das 20 € vor Steuern.

AktionJährliches ErgebnisSicherheit
1.000 € Dispo zu 12 % tilgen+120 € gespartGarantiert
1.000 € zu 2 % Tagesgeld anlegen+20 € verdient (vor Steuern)Garantiert

Beide Ergebnisse sind sicher, aber die Schuldenseite ist sechsmal größer – die Asymmetrie besteht zwischen zwei garantierten Zinssätzen, nicht zwischen Risikostufen.

2. Schuldentilgung im Vergleich zur Geldanlage. Die schärfere Variante der Asymmetrie vergleicht eine garantierte Rendite mit einer unsicheren. Tilgst du einen Dispo mit 12 % Zinsen, sicherst du dir in dem Moment, in dem die Zahlung verbucht wird, eine Rendite von 12 %. Steckst du dasselbe Geld stattdessen in einen diversifizierten ETF mit einer beispielhaften langfristigen Durchschnittsrendite von 7 %, klingt diese Zahl höher, ist aber nicht garantiert – in manchen Jahren verliert der ETF Geld, und die 7 % sind nur ein Durchschnitt über viele Jahre.

OptionErwartete JahresrenditeGarantiert?
12 % Dispo tilgen12 %Ja
Tagesgeld zu 2 %2 %Ja
ETF, beispielhafter langfristiger Durchschnitt~7 %Nein – schwankt von Jahr zu Jahr

Eine garantierte Rendite von 12 % mit einer unsicheren von 7 % zu vergleichen, ist kein Vergleich von Gleichem mit Gleichem – auch wenn 7 % für sich genommen neben einem Sparzins von 2 % attraktiv wirken. Je höher und je sicherer der Zinssatz einer Schuld ist, desto stärker spricht die Mathematik dafür, sie zu tilgen, bevor neues Geld anderswo angelegt wird.

Teste dich selbst

Ein Kreditsaldo von 2.000 € wird mit 15 % Jahreszins verzinst. Wie viele Euro an Zinsen sparst du dir mit Sicherheit im nächsten Jahr, wenn du ihn heute vollständig tilgst?

Welche Aussage wendet die Zinsasymmetrie korrekt an, wenn ein Dispo mit 12 % einem ETF mit 12 % langfristiger Durchschnittsrendite gegenübergestellt wird?

Welche dieser Aussagen über Zinsasymmetrie sind wahr? (Wähle alle zutreffenden aus.)