Realrendite
Die Realrendite ist die Rendite deines Geldes nach Abzug der Inflation – wie stark deine Kaufkraft tatsächlich wächst, nicht die Zahl auf dem Bank- oder Broker-Auszug. Ein Konto mit einer beispielhaften nominalen Rendite von 4 % erzielt bei einer Inflation von 2 % im Jahr eine Realrendite von rund 2 %. Die Hälfte des ausgewiesenen Wachstums gleicht nur steigende Preise aus.
Warum das wichtig ist
Jede ausgewiesene Zinsangabe in Deutschland – Tagesgeld-Zinsen, Festgeld-Zinsen, Anleihekupons, Fondsrenditen – ist standardmäßig nominal. Sie sagt für sich genommen nichts über die Kaufkraft aus. Die Realrendite verbindet zwei Grundlagenkonzepte – Inflation und nominal vs. real – zu einer einzigen Zahl, die die eigentlich wichtige Frage beantwortet: Wächst dein Geld schneller als die Preise, oder hält es nur den Schein von Wachstum aufrecht, während es im Stillen an Wert verliert?
Die Realrendite ist außerdem der Ausgangswert für ein späteres Konzept, die sichere Entnahmerate: Wie viel ein Portfolio jedes Jahr nachhaltig auszahlen kann, ist eine Frage des realen, nicht des nominalen Wachstums.
Rechenbeispiele
1. Schnelle Näherung. 10.000 € liegen ein Jahr lang auf einem Konto mit einer beispielhaften nominalen Rendite von 3,0 %, während die Inflation bei beispielhaften 2,6 % liegt. Die schnelle Näherung zieht die eine Zahl von der anderen ab: 3,0 % - 2,6 % = 0,4 % Realrendite. Der Kontostand wächst in Euro auf 10.300 €, doch bei rund 2,6 % höheren Preisen entspricht der Betrag von 10.300 € einer Kaufkraft von etwa 10.040 € in heutigem Geld – ein realer Zuwachs von rund 40 €, nicht 300 €.
2. Optionen vergleichen. Die Abzugs-Abkürzung versagt bei höheren Zinssätzen, weil auch die Preise verzinst wachsen. Die genaue Formel lautet (1 + nominal) / (1 + inflation) - 1. Angewendet auf drei beispielhafte Produkte bei derselben beispielhaften Inflation von 2,6 %:
| Produkt (beispielhaft) | Nominalzins | Näherungsweise Realrendite (nominal − Inflation) | Exakte Realrendite (1+nominal)/(1+inflation)-1 |
|---|---|---|---|
| Tagesgeld A | 3,0 % | 0,4 % | 0,39 % |
| Tagesgeld B | 1,5 % | −1,1 % | −1,07 % |
| Festgeld C (12 Monate) | 6,0 % | 3,4 % | 3,31 % |
Die Lücke zwischen Näherung und exaktem Wert wird größer, je höher der Nominalzins steigt – die Näherung von Festgeld C (3,4 %) liegt fast ein Zehntel Prozentpunkt über dem exakten Wert (3,31 %). Tagesgeld B zeigt den Fall, der Sparer am meisten überrascht: Der Kontostand wächst jeden Monat weiter in Euro, doch die Realrendite ist negativ – jeder Euro kauft weniger als noch ein Jahr zuvor.
Teste dich selbst
Ein Sparkonto zahlt einen nominalen Zinssatz von 6 %. Die Inflation liegt bei 2 %. Wie hoch ist die Realrendite in Prozent, wenn du die schnelle Näherung (nominal minus Inflation) verwendest?
Ein Konto zahlt im Jahresverlauf 2 % nominale Zinsen, während die Inflation bei 5 % liegt. Welche Aussage ist richtig?
Welche der folgenden Aussagen zur Berechnung der Realrendite sind richtig? Wähle alle zutreffenden Antworten aus.
Wie hoch ist die Realrendite in Prozent, wenn du die genaue Formel (1 + nominal) / (1 + Inflation) − 1 verwendest, bei einem Nominalzins von 10 % und einer Inflation von 5 %?