Dispokredit / Dispozins
Der Dispokredit (kurz Dispo) ist ein vorab genehmigter Rahmen, der dein Girokonto bis zu einem vom Kreditinstitut festgelegten Limit ins Minus rutschen lässt. Die Bank berechnet täglich Zinsen auf den jeweils bestehenden Negativsaldo, zu einem Satz, der bei der Einräumung des Limits vereinbart wird – ohne separaten Kreditantrag, ohne Sicherheiten und ohne festen Rückzahlungsplan.
Warum das wichtig ist
Der Dispo ist für viele Kontoinhaber in Deutschland die erste Kreditform überhaupt, denn Banken richten ihn automatisch beim Girokonto ein, statt ihn als separat zu beantragendes Produkt anzubieten. Einen Engpass in der Gehaltsabrechnung oder einen Kontoauszug richtig zu lesen bedeutet, den Dispo zuerst als Zinssatz und erst danach als Finanzpolster zu behandeln: Dieselbe Zinsmechanik, die ein Sparguthaben wachsen lässt, lässt einen Überziehungssaldo schrumpfen – nur eben zu deinem Nachteil. Weil Dispozinsen weit über den Sparzinsen liegen, zeigt sich die Lücke zwischen dem, was eine Bank fürs Halten von Geld zahlt, und dem, was sie fürs Verleihen verlangt, nirgends so deutlich wie in einem Girokonto, das zum Monatsende ins Minus rutscht.
Rechenbeispiel
Angenommen, ein Girokonto bleibt ein ganzes Jahr lang bei -500 €, bei einem Zinssatz von 11 % pro Jahr – dem durchschnittlichen Dispozins deutscher Banken 2026 [1]. Die Zinsen fallen täglich an und werden meist vierteljährlich dem Konto belastet, aber die Näherung fürs ganze Jahr ist einfach: 500 € x 0,11 = 55 € Zinsen für das Jahr – Geld, das ohne jeden Kauf dahinter das Konto verlässt.
| Überziehungssaldo (konstant, 1 Jahr) | Zinssatz (2026) [1] | Zinskosten |
|---|---|---|
| 500 € | 7,5 % (überdurchschnittlich günstiges Angebot) | 38 € |
| 500 € | 11 % (Marktdurchschnitt) | 55 € |
| 2.000 € | 11 % (Marktdurchschnitt) | 220 € |
| 2.000 € | 13,7 % (Angebot am oberen Ende) | 274 € |
Zum Vergleich: Ein Ratenkredit, der denselben Engpass abdeckt, lag im selben Zeitraum bei Zinssätzen von etwa 4-8 % [2]. Die beiden unterscheiden sich um mehr als den Preis. Der Dispo tauscht einen höheren Zinssatz gegen Flexibilität – kein Antrag, kein fester Plan, Rückzahlung, sobald das Konto wieder ins Plus rutscht –, während ein Ratenkredit einen Rückzahlungsplan zu einem meist niedrigeren Satz festlegt. Das entscheidende Kriterium ist, wie lange der Engpass voraussichtlich dauert: Die Bequemlichkeit des Dispos ist für ein paar Tage günstig und als über Monate anhaltender Saldo teuer – genau der Fall, in dem die Zinsdifferenz am stärksten wirkt.
Teste dich selbst
Ein Girokonto steht ein ganzes Jahr lang konstant bei -800 € Überziehung, bei einem Dispozins von 12 % pro Jahr. Wie viel Zinsen fallen ungefähr im Laufe des Jahres an?
Was passiert, wenn ein Dispo-Saldo nie zurückgeführt wird, solange er innerhalb des vereinbarten Limits bleibt?
Welche der folgenden Aussagen über den Dispo treffen zu? Wähle alle zutreffenden Antworten.
Quellen
- smava — Dispozinsen-Index: durchschnittlicher Dispozins ca. 11,3 % p.a., Spanne ca. 7,5-13,7 % p.a. je nach Bank und Bonität, https://www.smava.de/presse/dispozinsen/ (2026)
- Finanztip — Dispozinsen im Vergleich (Vergleichszinsen für Ratenkredite ca. 4-8 % p.a.), https://www.finanztip.de/girokonto/dispozinsen/ (2026)