risikofreier Zins
Der risikofreie Zins ist die Rendite einer Anlage, die als frei von Ausfallrisiko gilt – in der Praxis die Rendite der sichersten verfügbaren Staatsanleihen, etwa deutscher Bundesanleihen. Jede andere erwartete Rendite in der Finanzwelt wird als dieser Basiswert plus eine Prämie für das zusätzlich übernommene Risiko bepreist.
Warum das wichtig ist
Jede Anlageentscheidung vergleicht implizit eine erwartete Rendite mit einer sichereren Alternative. Der risikofreie Zins macht diese Alternative explizit – er ist das, worauf du verzichtest, wenn du dich für eine Aktie oder eine Unternehmensanleihe entscheidest statt für die sicherste Form der Rückzahlung. Er baut direkt auf dem Zinssatz auf: Der risikofreie Zins ist ein bestimmter Zinssatz, der für einen Schuldner gilt, dessen Ausfallwahrscheinlichkeit als praktisch null angenommen wird – deshalb ist „ausfallfrei" (default-free) die genauere Bezeichnung dafür.
Das Konzept fließt außerdem in die Aktienrisikoprämie ein – die zusätzliche Rendite, die Aktienanleger gegenüber einer sicheren Anlage verlangen, weil sie das Risiko eingehen, ein Unternehmen zu besitzen, statt einem Staat Geld zu leihen. Ohne einen risikofreien Zins als Ausgangspunkt hat „mehr Rendite für mehr Risiko" keinen Bezugspunkt.
Rechenbeispiele
1. Einen risikofreien Zins lesen. Ein beispielhafter risikofreier Zins von 2,5 % pro Jahr bedeutet, dass eine bis zur Fälligkeit gehaltene 10-jährige Bundesanleihe pro Jahr 2,5 % zahlt – ohne realistisches Szenario, in dem Deutschland die Rückzahlung verweigert. Bei einer Anlage von 10.000 €: 10.000 € x 0,025 = 250 € pro Jahr, vor Steuern.
2. Andere Renditen darauf aufbauen. Riskantere Anlagen werden als risikofreier Zins plus eine dem zusätzlichen Risiko entsprechende Prämie bepreist. Mit demselben beispielhaften risikofreien Zins von 2,5 % als Basis:
| Anlage | Risikofreier Zins | Risikoprämie (beispielhaft) | Erwartete Rendite |
|---|---|---|---|
| Bundesanleihe (10 Jahre) | 2,5 % | 0 % – das ist der Basiswert | 2,5 % |
| Unternehmensanleihe mit Investment-Grade-Rating | 2,5 % | +1 % für Kreditrisiko | 3,5 % |
| Diversifiziertes Aktienportfolio | 2,5 % | +5 % (Aktienrisikoprämie) | 7,5 % |
Keine dieser Zahlen sind aktuelle Marktsätze – sie veranschaulichen die Struktur, nicht einen Kurswert. Die Prämie wächst mit der Unsicherheit, vollständig und pünktlich zurückgezahlt zu werden: Ein Staat mit eigener Steuerbasis und eigener Währung gilt als weniger ausfallgefährdet als ein einzelnes Unternehmen, und die feste Anleihezahlung eines Unternehmens gilt als sicherer als der variable, nachrangige Gewinnanspruch einer Aktie.
In der Praxis ist keine Anlage völlig risikofrei, und „risikofrei" beschreibt speziell das Ausfallrisiko – die nahezu null Wahrscheinlichkeit, dass der Emittent die Rückzahlung verweigert –, nicht jedes Risiko, dem du ausgesetzt bist. Selbst erstklassig bewertete Staatsanleihen tragen ein Inflationsrisiko, und Anleihen, die vor Fälligkeit verkauft werden, ein Kursrisiko, wenn sich die Zinsen bewegen. Real, also inflationsbereinigt, gibt es zu manchen Zeiten womöglich gar keine risikofreie Anlage: Wenn die Inflation über der nominalen risikofreien Rendite liegt, sichert selbst die sicherste Anleihe einen Kaufkraftverlust fest. Ausfallfrei ist nicht dasselbe wie kaufkraftfrei.
Teste dich selbst
Eine deutsche Bundesanleihe bietet einen beispielhaften risikofreien Zins von 2,5 % pro Jahr. Die erwartete Rendite eines diversifizierten Aktienportfolios wird als dieser risikofreie Zins plus eine Aktienrisikoprämie von 5 Prozentpunkten bepreist. Wie hoch ist die erwartete jährliche Rendite des Aktienportfolios, in Prozent?
Worauf genau bezieht sich „risikofrei" im Begriff „risikofreier Zins"?
Was kann eine „risikofreie" Staatsanleihe trotzdem beeinflussen, obwohl sie praktisch kein Ausfallrisiko trägt? (Wähle alle zutreffenden Antworten.)
Wie wird die erwartete Rendite einer riskanteren Anlage typischerweise im Verhältnis zum risikofreien Zins konstruiert?