Kaufkraft
Kaufkraft misst, wie viel ein fester Geldbetrag tatsächlich kaufen kann – wie viele Güter und Dienstleistungen dir 1 € bringt. Es geht nicht um die Zahl auf dem Kontostand, sondern darum, was diese Zahl kauft. Die Kaufkraft sinkt, wenn die Preise steigen (Inflation), und sie unterscheidet sich je nach Ort, weil derselbe nominale Betrag in unterschiedlichen Städten oder Ländern unterschiedliche Mengen kauft.
Warum das wichtig ist
Kaufkraft ist das Konzept hinter zwei Ideen, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben: Inflation und Unterschiede bei den Lebenshaltungskosten zwischen Städten. Inflation bedeutet, dass die Kaufkraft über die Zeit schwindet – feste 1.000 € kaufen nächstes Jahr weniger, wenn die Preise schneller steigen als dieser Betrag wächst. Unterschiede bei den Lebenshaltungskosten bedeuten, dass die Kaufkraft je nach Ort variiert – ein Gehalt von 3.000 € in München und ein Gehalt von 3.000 € in Leipzig kaufen nicht denselben Warenkorb, weil lokale Mieten und Alltagspreise unterschiedlich sind. In beiden Fällen stellt sich dieselbe Grundfrage: Was ergibt dieser Euro-Betrag tatsächlich, zu diesem Zeitpunkt und an diesem Ort?
Rechenbeispiel
Fester Betrag, steigende Preise. Ein wöchentlicher Einkaufskorb kostet heute 100 € (illustrativer Wert). Wenn die Preise für diesen Korb im Jahresverlauf um 3 % steigen – ebenfalls illustrativ, kein offizieller Satz –, kostet derselbe Korb nächstes Jahr 103 €. Feste 100 € reichen dafür nicht mehr; sie kaufen jetzt noch etwa 97 % des ursprünglichen Korbs. Der nominale Betrag, „100 €", hat sich nicht verändert. Seine Kaufkraft ist um rund 3 % gesunken.
Gleiches Gehalt, zwei Städte. Zwei Personen verdienen jeweils nominal 3.000 € im Monat – eine in München, eine in Leipzig. Angenommen, eine vergleichbare Einzimmerwohnung kostet 1.400 € in München und 700 € in Leipzig (illustrative Werte, keine verifizierten aktuellen Mieten). Nach Abzug der Miete bleiben der Person in München 1.600 € übrig, der Person in Leipzig 2.300 €. Gleiches nominales Gehalt, unterschiedliche reale Kaufkraft – weil sich das lokale Preisniveau unterscheidet und die Miete der größte Posten in den meisten Haushaltsbudgets ist.
Diese beiden Beispiele haben dieselbe Struktur: Ein nominaler Euro-Betrag bleibt fest, während sich der „Wechselkurs" zwischen Euro und Gütern verschiebt – im ersten Fall durch die Zeit, im zweiten Fall durch den Ort. Wer nominale Beträge über verschiedene Jahre oder verschiedene Städte hinweg vergleicht, ohne diesen Wechselkurs zu berücksichtigen, kommt zu irreführenden Schlüssen: Eine Gehaltserhöhung, die nur die Inflation ausgleicht, ist keine Erhöhung der Kaufkraft, und ein höheres Gehalt in einer teureren Stadt bedeutet nicht automatisch einen höheren Lebensstandard.
Kaufkraft über Ländergrenzen
Derselbe „Wechselkurs zwischen Euro und Gütern" verschiebt sich auch über Grenzen hinweg – wichtig für alle, die einen Umzug oder Ruhestand im Ausland abwägen. Eine in Euro festgelegte Rente oder ein festes Gehalt ergibt je nach Ort der Ausgabe einen sehr unterschiedlichen Lebensstandard: Eine deutsche Rente reicht in einem Land mit niedrigeren Preisen deutlich weiter als zu Hause.
Der Haken ist, dass die Kaufkraft über die Ausgabenkategorien hinweg nicht einheitlich ist. International gehandelte Güter – ein Auto, ein MacBook, ein Flug, ein Urlaub im Ausland – kosten fast überall ungefähr gleich viel, weil sie Grenzen überschreiten und sich die Preise angleichen. Nicht gehandelte Güter und Dienstleistungen – ein Restaurantbesuch, ein Haarschnitt und vor allem Wohnen – variieren enorm nach Ort. Ein Land kann bei Alltagsdienstleistungen günstig, beim Immobilienkauf aber teuer sein – oder umgekehrt, und Mieten gegenüber Kaufen kann am selben Ort in entgegengesetzte Richtungen zeigen. „Günstigeres Land" ist deshalb nie eine einzige Zahl: Dieselben 2.000 € kaufen vielleicht weit mehr Restaurantbesuche, aber kein größeres Auto, und die Rechnung für die Wohnung kann den Vergleich komplett umdrehen.
Teste dich selbst
Ein Einkaufskorb kostet heute 200 €. Die Preise steigen im Jahresverlauf um 4 % (illustrativer Wert). Was kostet derselbe Korb im nächsten Jahr, in Euro?
Dein Gehalt bleibt zwei Jahre lang bei festen 3.000 €/Monat, während die Preise jedes Jahr steigen. Was passiert in dieser Zeit mit deiner Kaufkraft, wenn sich sonst nichts ändert?
Zwei Personen verdienen jeweils nominal 3.000 €/Monat – eine in einer Stadt mit hohen Mieten, eine in einer Stadt mit niedrigen Mieten. Haben sie dieselbe Kaufkraft?
Welche der folgenden Situationen beschreiben eine Veränderung der Kaufkraft (wähle alle zutreffenden aus)?