1.000€ steuerfrei: Der Freistellungsauftrag-Guide
Der Freistellungsauftrag ist der einfachste Weg, Steuern zu sparen — und trotzdem vergessen ihn viele. 5 Minuten Setup, bis zu 263€ gespart.
Was ist der Freistellungsauftrag?
Der Sparerpauschbetrag erlaubt dir, 1.000€ Kapitalerträge pro Jahr steuerfrei zu kassieren (2.000€ für Ehepaare; unverändert in 2026). Der Freistellungsauftrag ist das Formular, das deiner Bank/deinem Broker sagt: "Bitte zieh keine Steuern ab, bis ich 1.000€ erreicht habe."
| Ohne Freistellungsauftrag | Mit Freistellungsauftrag |
|---|---|
| Vom ersten Euro Gewinn werden ~26% Steuern abgezogen | Erste 1.000€ Gewinn sind steuerfrei |
| Du musst Steuern über Steuererklärung zurückholen | Automatisch, kein Aufwand |
Die Rechnung
| Gewinn | Steuer ohne FSA | Steuer mit FSA | Du sparst |
|---|---|---|---|
| 500€ | 132€ | 0€ | 132€ |
| 1.000€ | 264€ | 0€ | 264€ |
| 1.500€ | 396€ | 132€ | 264€ |
| 2.000€ | 528€ | 264€ | 264€ |
Maximale Ersparnis: 263,75€ pro Jahr (26,375% von 1.000€)
Der Freistellungsauftrag kostet nichts, dauert 5 Minuten und spart dir bis zu 264€ im Jahr. Es gibt keinen Grund, ihn nicht einzurichten.
Was zählt als Kapitalertrag?
Der Sparerpauschbetrag gilt für:
| Ertrag | Beispiel |
|---|---|
| Zinsen | Tagesgeld, Festgeld, Anleihen |
| Dividenden | Aktien, ausschüttende ETFs |
| Kursgewinne | Verkauf von Aktien, ETFs mit Gewinn |
| Vorabpauschale | Jährliche Steuer auf thesaurierende ETFs |
Schritt-für-Schritt: Freistellungsauftrag einrichten
Bei Neobrokern (Trade Republic, Scalable)
Trade Republic:
- App öffnen
- Profil → Einstellungen → Steuern
- "Freistellungsauftrag" auswählen
- Betrag eingeben (max. 1.000€)
- Bestätigen
Scalable Capital:
- Login auf Website/App
- Mein Konto → Steuerdaten
- Freistellungsauftrag auswählen
- Betrag eingeben
- Speichern
Bei Direktbanken (ING, DKB, comdirect)
- Online-Banking einloggen
- Service/Einstellungen → Steuern → Freistellungsauftrag
- Betrag eingeben
- Mit TAN bestätigen
Bei traditionellen Banken (Sparkasse, Volksbank)
- Online-Banking oder
- Formular in der Filiale ausfüllen
Mehrere Konten? So teilst du auf
Du hast 1.000€ Sparerpauschbetrag insgesamt — nicht pro Konto. Wenn du mehrere Depots/Konten hast, musst du aufteilen.
Beispiel-Aufteilung
| Konto | Erwartete Erträge | Freistellungsauftrag |
|---|---|---|
| Trade Republic (ETF-Depot) | ~400€ | 500€ |
| ING (Tagesgeld) | ~200€ | 300€ |
| DKB (Girokonto mit Zinsen) | ~100€ | 200€ |
| Summe | 700€ | 1.000€ |
Wenn du mehr als 1.000€ verteilst, kannst du Probleme mit dem Finanzamt bekommen. Lieber etwas weniger als zu viel.
Strategie: Wo am meisten?
- Höchste Erträge zuerst — Wo erwartest du am meisten Gewinn?
- Flexibel bleiben — Du kannst den Freistellungsauftrag jederzeit ändern
- Im Dezember prüfen — Vor Jahresende anpassen, wenn nötig
Häufige Fehler
| ❌ Fehler | ✅ Besser |
|---|---|
| Keinen Freistellungsauftrag einrichten | Immer einrichten, auch bei kleinen Beträgen |
| Mehr als 1.000€ verteilen | Maximum 1.000€ insgesamt |
| Freistellungsauftrag vergessen zu aktualisieren | Jährlich prüfen, bei Kontowechsel anpassen |
| Nur beim Broker, nicht bei der Bank | Auch Tagesgeld-Zinsen nutzen den Freibetrag |
Für Paare: 2.000€ gemeinsam nutzen
Verheiratete können den Sparerpauschbetrag zusammenlegen:
| Situation | Freibetrag |
|---|---|
| Single | 1.000€ |
| Ehepaar (Zusammenveranlagung) | 2.000€ |
Vorteil: Wenn ein Partner wenig Kapitalerträge hat, kann der andere mehr nutzen.
So geht's: Gemeinsamen Freistellungsauftrag bei der Bank einreichen (beide müssen unterschreiben).
Was, wenn ich den Freibetrag überschreite?
Wenn deine Kapitalerträge über 1.000€ liegen:
- Steuer wird automatisch abgezogen — ~26% auf jeden Euro über 1.000€
- In Steuererklärung angeben — Anlage KAP
- Eventuell Geld zurück — Wenn dein persönlicher Steuersatz unter 26% liegt
Vorabpauschale nicht vergessen
Auch thesaurierende ETFs (die keine Dividenden auszahlen) verbrauchen deinen Freibetrag durch die Vorabpauschale:
- Wird im Januar automatisch abgebucht
- Berechnet sich aus Basiszins und ETF-Wert
- Nutzt deinen Freistellungsauftrag
Mehr dazu: Vorabpauschale erklärt
Checkliste: Freistellungsauftrag
- Bei jedem Depot/Konto mit Zinsen oder Gewinnen eingerichtet
- Summe aller Freistellungsaufträge = max. 1.000€
- Steuer-ID bei allen Instituten hinterlegt
- Jährlich im Dezember überprüfen
- Bei Kontowechsel anpassen
Häufige Fehler
| ❌ Fehler | ✅ Besser |
|---|---|
| Keinen Freistellungsauftrag einrichten | Immer einrichten, auch bei kleinen Beträgen |
| Mehr als 1.000 € verteilen | Maximum 1.000 € insgesamt |
| Freistellungsauftrag vergessen zu aktualisieren | Jährlich prüfen, bei Kontowechsel anpassen |
| Nur beim Broker, nicht bei der Bank | Auch Tagesgeld-Zinsen nutzen den Freibetrag |
FAQ
Keine Rechts- oder Finanzberatung.
Ich habe Konten bei 3 Banken — wie verteile ich die 1.000 € richtig?
Der gesamte Sparerpauschbetrag beträgt 1.000 € pro Person und Jahr über alle Banken und Broker hinweg. Eine Verteilung proportional zu den erwarteten Kapitalerträgen pro Konto ist ein gängiger Ansatz. Beispiel: Wenn Trade Republic 600 € Dividenden generiert, ING 300 € Zinsen und Sparkasse 50 € Zinsen, könnte der Freistellungsauftrag (FSA) auf 600 € / 300 € / 100 € aufgeteilt werden. Die Verteilung kann im Laufe des Jahres geändert werden, wenn die Schätzungen ungenau waren. Wenn die Gesamtsumme der FSA bei allen Banken 1.000 € überschreitet, melden die Banken dies an das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt), und eine Geldstrafe von bis zu 25.000 € ist möglich. Ein praktischer Ansatz: den vollen Betrag von 1.000 € dem Konto mit den höchsten Erträgen zuweisen und die übrigen auf 0 € belassen.
Ich bin Mitte des Jahres nach Deutschland gekommen — gilt der volle 1.000-€-Freibetrag?
Ja. Der Sparerpauschbetrag gilt für das gesamte Kalenderjahr, unabhängig davon, wann die steuerliche Ansässigkeit begonnen hat. Selbst bei einem Umzug nach Deutschland am 1. Dezember gilt der volle Freibetrag von 1.000 € für dieses Jahr. Der Freibetrag umfasst Kapitalerträge, die in Deutschland erzielt oder in Deutschland erklärt werden. Ausländische Kapitalerträge vor dem Umzug unterliegen anderen Regeln und können unter den Progressionsvorbehalt fallen. Der Freistellungsauftrag kann jederzeit im Laufe des Jahres eingerichtet werden — er gilt für alle Kapitalerträge seit Jahresbeginn. Wurde kein FSA eingerichtet, kann die einbehaltene Steuer über die Steuererklärung mit Anlage KAP zurückgeholt werden.
Mein Ehepartner hat kein Einkommen — können wir 2.000 € auf ein gemeinsames Konto legen?
Ja. Für ein Gemeinschaftskonto oder Gemeinschaftsdepot reichen beide Ehepartner einen gemeinsamen Freistellungsauftrag über 2.000 € ein. Dafür werden die Steuer-IDs beider Ehepartner und beide Unterschriften benötigt. Bei Einzelkonten verwaltet jeder Ehepartner seine eigenen 1.000 € über seine persönlichen Konten. Selbst wenn ein Ehepartner über keinerlei Einkommen verfügt, gilt der gemeinsame Freibetrag von 2.000 € in voller Höhe. Die Höhe des Freibetrags ist unabhängig von der Steuerklasse. Eine Kombination aus gemeinsamen und individuellen FSAs ist zulässig, solange die Gesamtsumme 2.000 € für das Paar nicht überschreitet.
Ich habe den FSA vergessen einzurichten — die Bank hat Steuern einbehalten. Wie bekomme ich das Geld zurück?
Für die Rückerstattung ist eine Steuererklärung mit Anlage KAP einzureichen. Darin werden die Kapitalerträge angegeben, und das Finanzamt berechnet, dass die ersten 1.000 € steuerfrei waren, und erstattet die zu viel gezahlte Steuer. Die Bank stellt im ersten Quartal des Folgejahres eine Jahressteuerbescheinigung aus, die alle benötigten Daten enthält. Die Erstattung erfolgt in der Regel innerhalb von 2-4 Monaten nach Abgabe. Für zukünftige Jahre: Der FSA kann jederzeit im Laufe des Jahres eingerichtet werden und gilt für alle Kapitalerträge seit Jahresbeginn. Die Einrichtung dauert 2-5 Minuten im Online-Portal der Bank oder des Brokers.
Was passiert, wenn ich die 1.000 € versehentlich über alle Banken hinweg überschreite?
Banken melden alle FSA-Beträge an das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt), das diese aggregiert. Bei einer Überschreitung von 1.000 € benachrichtigt das BZSt das Finanzamt. In der Praxis: Auf den überschüssigen Betrag wird Steuer in Höhe von 26,375% nachgefordert. Bei erstmaligen geringfügigen Überschreitungen erlässt das Finanzamt in der Regel einen Korrekturbescheid statt einer Geldstrafe. Vorsätzlicher Missbrauch kann mit Geldbußen bis zu 25.000 € geahndet werden (Paragraph 50e EStG). Zur Behebung: Den FSA bei einer oder mehreren Banken sofort reduzieren. Die Änderung gilt für zukünftige Erträge, nicht rückwirkend für das laufende Jahr — zuvor freigestellte Beträge werden bei der Steuererklärung neu berechnet.
Was du jetzt tun solltest
- Prüfe alle Konten/Depots — Wo hast du Zinsen oder Investments?
- Richte Freistellungsaufträge ein — Bei jedem Institut
- Verteile sinnvoll — Höchste Erträge = höchster Anteil
- Kalendereintrag für Dezember — Jährliche Überprüfung
Quellen
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Einkommensteuergesetz (EStG) § 20 Abs. 9 — Sparer-Pauschbetrag, Bundesministerium der Justiz, https://www.gesetze-im-internet.de/estg/__20.html (gesetzliche Festlegung der Freigrenze von 1.000 €/2.000 €, gültig seit 2023)
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Einkommensteuergesetz (EStG) § 43a — Bemessung der Kapitalertragsteuer, Bundesministerium der Justiz, https://www.gesetze-im-internet.de/estg/__43a.html (25% Steuersatz auf Kapitalerträge, plus 5,5% Solidaritätszuschlag)
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Bundeszentralamt für Steuern — Freistellungsaufträge und Nichtveranlagungsbescheinigungen, https://www.bzst.de/DE/Unternehmen/Kapitalertragsteuer/Freistellungsauftraege/freistellungsauftraege_node.html (Kontrolle der Grenzüberschreitung, Strafen bei Verstößen)