mentale Buchführung
Mentale Buchführung ist die Tendenz, Geld in getrennte gedankliche Kategorien einzuteilen – nach Herkunft, nach beabsichtigtem Zweck oder danach, in welchem Konto es liegt – und Euro in unterschiedlichen Kategorien als nicht austauschbar zu behandeln. Ein Euro aus einer Steuererstattung gibt sich nicht anders aus als ein Euro aus dem Gehalt, aber Menschen bewachen jede Kategorie routinemäßig nach ihren eigenen Regeln, statt alles Geld als einen Topf zu behandeln.
Warum das wichtig ist
Geld kommt in Deutschland schon mit Etikett an: Gehalt auf dem Girokonto, einmal im Jahr die Steuererstattung, Elterngeld während der Elternzeit, Rücklagen fest verankert auf dem Tagesgeldkonto. Mentale Buchführung erklärt, warum ein unerwarteter Geldsegen lockerer ausgegeben wird als ein gleich hoher Betrag aus dem gewöhnlichen Einkommen, und warum Ersparnisse auf einem Konto selten gegen Schulden auf einem anderen aufgerechnet werden – selbst wenn eine Verrechnung beider zum gleichen Saldo bei geringeren Kosten führen würde. Diese Tendenz ist nicht automatisch ein Fehler: Umschlag-Budgetierung nutzt mentale Buchführung gezielt, damit Ausgabengrenzen eingehalten werden. Die Kosten entstehen, wenn die Kategorien Geld davon abhalten, dorthin zu fließen, wo es am meisten nützt.
Zwei Grundsätze wirken gegen die mentale Buchführung. Erstens: Geld ist fungibel, also austauschbar. Ein Euro erinnert sich nicht daran, woher er kam, deshalb sind ein „gefundener" Euro und ein „verdienter" Euro genau gleich viel wert und leisten genau dieselbe Arbeit. Zweitens: Einen Euro in einer Kategorie statt in einer anderen zu halten, bringt immer Opportunitätskosten mit sich (der Wert der besten aufgegebenen Alternative) – die Wahl zwischen konkurrierenden Verwendungen, A gegen B, ist immer da, auch wenn die Etiketten sie verdecken.
Beispielrechnungen
1. Geldsegen versus Gehalt. Eine Person erhält eine Steuererstattung von 500 € und gibt sie ohne zu zögern für einen Wochenendtrip aus, während zusätzliche 500 €, die als Teil einer Gehaltszahlung eingehen, auf dem Girokonto liegen bleiben und für Miete und Lebensmittel vorgesehen sind. Beides sind 500 € derselben Währung; das Etikett, das jeweils daran hängt – „gefundenes Geld" versus „Rechnungsgeld" – bestimmt die unterschiedliche Behandlung.
2. Ersparnisse und Schulden in getrennten Töpfen. Ein Haushalt hält 5.000 € auf einem Tagesgeldkonto, die zu einem beispielhaften Satz von 2 % verzinst werden, und trägt gleichzeitig 5.000 € Dispokredit-Schulden, die mit einem beispielhaften Satz von 12 % verzinst werden. Mentale Buchführung behandelt „Ersparnisse" und „Schulden" als unabhängige Kategorien, sodass die beiden Salden nie gegeneinander aufgerechnet werden.
| Topf | Saldo | Beispielhafter Jahreszins | Jährlicher Effekt |
|---|---|---|---|
| Tagesgeldkonto | 5.000 € | 2 % erhalten | +100 € |
| Dispokredit | -5.000 € | 12 % belastet | -600 € |
| Nettoposition bei getrennter Haltung | 0 € netto | — | -500 €/Jahr |
Die beiden Konten getrennt zu halten, kostet in diesem Beispiel 500 € pro Jahr im Vergleich zu einer Position, in der sich die Salden gegenseitig ausgleichen – nicht die Rechnung, sondern die Kategorien halten die Konten getrennt.
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Ein Haushalt hält 5.000 € auf einem Tagesgeldkonto, die mit einem beispielhaften Satz von 2 % pro Jahr verzinst werden, und trägt gleichzeitig 5.000 € Dispokredit-Schulden, die mit einem beispielhaften Satz von 12 % pro Jahr belastet werden. Da die beiden in getrennten mentalen Konten geführt werden, werden die Salden nie gegeneinander aufgerechnet. Wie hoch sind in Euro die jährlichen Kosten dafür, die beiden getrennt zu halten, im Vergleich zu einer Position, in der sich die Salden auf null ausgleichen?