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Bausparvertrag

Level 3 · FortgeschrittenDE · 2026 Zahlen
BegriffBausparvertrag
Zuerst lesenInteressenkonflikt

Ein Bausparvertrag verbindet eine Sparphase mit der vertraglichen Möglichkeit auf ein späteres Bauspardarlehen zu vereinbarten Konditionen. Die Bausparsumme setzt sich aus dem angesparten Guthaben plus dem möglichen Darlehen zusammen. Der Zugriff auf diese Summe setzt Zuteilungsreife voraus, deren Zeitpunkt von den Tarifbedingungen und dem Kollektiv abhängt – nicht nur davon, einen bestimmten Sparbetrag zu erreichen.

Der Entscheidungsrahmen 2026

Bewerte die beiden Phasen als ein System:

  1. Sparphase: Sparrate, Guthabenzins, Abschluss- und laufende Gebühren sowie Opportunitätskosten.
  2. Zuteilung: Mindestguthaben, Bewertungszahl, Mindestlaufzeit und ob der Termin garantiert ist.
  3. Darlehensphase: verfügbare Darlehenssumme, effektiver Zins, Tilgungslast und zulässige Wohnnutzung.
  4. Bedarfspassung: Wahrscheinlichkeit, Höhe und Zeitpunkt des vorgesehenen Wohnbedarfs.
  5. Alternativen: Vergleiche dasselbe Spar- und Finanzierungsziel, ohne künftige Marktzinsen vorwegzunehmen.

Die Verbraucherzentrale beschreibt Zuteilungstermine vor Zuteilungsreife als Schätzwerte und nennt Abschlussgebühren von 1 %–1,6 % der Bausparsumme, je nach Anbieter [1]. Das sind 2025 veröffentlichte Referenzwerte; maßgeblich sind die konkreten Tarifunterlagen von 2026.

Wo die Struktur passen kann – und wo häufig nicht

Das Produkt lässt sich am leichtesten bewerten, wenn der Wohnbedarf konkret ist. Die Sparphase bezahlt für die Option, später zu den vereinbarten Tarifkonditionen zu leihen; diese Option hat wenig Wert, wenn das Darlehen wahrscheinlich nicht genutzt wird.

Stärkere PassungssignaleSchwächere Passungssignale
Ein konkreter Modernisierungs- oder Renovierungsbedarf ist in etwa sechs bis acht Jahren wahrscheinlichDer Zweck ist allgemeines Sparen, eine Notreserve oder ein unbekannter künftiger Kauf
Der erwartete Finanzierungsbedarf ist moderat und wohnbezogenDer Haushalt benötigt eine große Summe zu einem garantierten Termin
Künftige Kreditkonditionen festzuschreiben ist wichtig genug, um niedrige Sparrendite und Gebühren zu akzeptierenLiquidität und Anlagerendite zählen mehr als künftige Zinssicherheit
Der Haushalt hat Anspruch auf Wohnungsbauprämie oder Arbeitnehmersparzulage und erfüllt deren NutzungsbedingungenEs greift keine Förderung, und die Darlehensoption wird womöglich nie genutzt
Die spätere Darlehensrate passt zum Budget, nicht nur der beworbene SollzinsEin kurzer Tilgungsplan würde die monatliche Rate unangenehm hoch machen

Die Verbraucherzentrale nennt einen möglichen Anwendungsfall für Renovierungen oder energetische Maßnahmen in sechs bis acht Jahren mit einem Finanzierungsbedarf bis etwa 50.000 €, sowie einen separaten, förderunterstützten Fall [1]. Sie warnt zudem, dass neue Verträge als reines Sparprodukt in der Regel schwach abschneiden, weil Gebühren die Sparzinsen übersteigen können. Das sind Prüfkriterien, keine Aussage über einen bestimmten Tarif.

Durchgerechnetes Zwei-Phasen-Beispiel

Angenommen: eine Bausparsumme von 100.000 €, ein Tarif mit 40 % Mindestsparguthaben, ein monatlicher Beitrag von 400 € und eine Abschlussgebühr von 1,4 %:

  • möglicher Sparanteil bei Zuteilung: 100.000 € × 40 % = 40.000 €;
  • möglicher Darlehensanteil: bis zu 100.000 € - 40.000 € = 60.000 €;
  • Abschlussgebühr: 100.000 € × 1,4 % = 1.400 €;
  • Zeit, um 40.000 € anzusparen, ohne Zinsen und Gebühren: 40.000 € ÷ 400 € = 100 Monate, also acht Jahre und vier Monate;
  • übernehmen dieselben Monatsraten zusätzlich die 1.400 € Gebühr, steigt die vereinfachte Ansparzeit auf rund 104 Monate.

Allein 40.000 € zu erreichen, garantiert noch keine Auszahlung zu diesem Termin: Auch Bewertungszahl, Mindestlaufzeit und kollektive Zuteilungsbedingungen müssen erfüllt sein, und § 4(5) BausparkG untersagt die Zusage eines festen Zuteilungstermins [3]. Braucht der Haushalt später kein Bauspardarlehen mehr, wird der Vergleich zum Netto-Sparergebnis nach Gebühren und geringer Liquidität – nicht zum beworbenen Darlehenszins.

Die Allgemeinen Bedingungen für Bausparverträge (ABB) bestimmen das tatsächliche Mindestguthaben, die Zuteilungsformel, die zulässige Wohnnutzung, den Darlehenszins, den Tilgungsplan und die Ausstiegsbedingungen. Ein sinnvoller Vergleich stellt den Bausparvertrag daher neben eine gewöhnliche Sparlösung plus Finanzierung, die verfügbar ist, sobald das Vorhaben tatsächlich beginnt.

Teste dich selbst

Eine Bausparsumme von 100.000 € hat eine Abschlussgebühr von 1,4 %. Wie hoch ist die Gebühr in Euro?

Ist der voraussichtliche Zuteilungstermin vor Zuteilungsreife zwangsläufig garantiert?

Ein Haushalt braucht später kein Bauspardarlehen mehr. Was wird für die Bewertung zentral?

Was gehört in einen vollständigen Bauspar-Vergleich? Wähle alle zutreffenden Antworten.

Quellen

  1. Verbraucherzentrale — Lohnt sich ein Bausparvertrag?, https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/geld-versicherungen/bau-und-immobilienfinanzierung/lohnt-sich-ein-bausparvertrag-7024 (2025)
  2. Bundesministerium der Justiz — Bausparkassengesetz, § 1 Zweck, Bausparsumme und Wohnungsbaumaßnahmen, https://www.gesetze-im-internet.de/bausparkg/__1.html (Stand 2026)
  3. Bundesministerium der Justiz — Bausparkassengesetz, § 4(5) Zusagen zum Zuteilungstermin, https://www.gesetze-im-internet.de/bausparkg/__4.html (Stand 2026)