Strukturierte Produkte
Ein strukturiertes Produkt kombiniert eine Forderung gegenüber einem Emittenten mit einer Auszahlung, die auf einem Derivat basiert und an einen Basiswert oder Referenzwert gekoppelt ist. Kupons, Caps, Barrieren, Puffer und vorzeitige Rückzahlung können Gewinne und Verluste verändern, beseitigen das Risiko aber nicht. Der Inhaber trägt zusätzlich Emittenten-, Liquiditäts-, Bewertungs-, Komplexitäts- und Kostenrisiken.
Die Auszahlungsrekonstruktion
Bevor du Renditen vergleichst, schreib auf, was passiert, wenn der Basiswert:
- stark steigt;
- leicht steigt oder stagniert;
- fällt, aber oberhalb jeder Barriere bleibt;
- eine Barriere durchbricht;
- schwer zu bewerten oder zu handeln wird;
- sich gut entwickelt, der Emittent aber ausfällt.
Bestimme dann den maximalen Gewinn, den maximalen Verlust, entgangene Dividenden, Kündigungsrechte, die Laufzeit, die Bedingungen am Zweitmarkt und alle ausgewiesenen Kosten. Die EU-PRIIPs-Verordnung schreibt ein Basisinformationsblatt vor, das den Vergleich von Produkteigenschaften und Risiken unterstützt [1].
Rechenbeispiel
Ein Zertifikat auf einen Index zahlt nach einem Jahr höchstens 8 %. Fällt der Index um nicht mehr als 20 %, wird das Kapital zurückgezahlt; unterhalb der Barriere folgen die Verluste dem Index. Der Emittent kann trotzdem ausfallen.
Die Bezeichnung „geschützt" ist unvollständig. Die Chance ist gedeckelt, die Verlustseite ändert sich an der Barriere sprunghaft, und die Rückzahlung hängt von der Bonität des Emittenten ab. Eine direkte Auszahlungstabelle ist aussagekräftiger als der Produktname.
Diese Wiki-Karte liefert den Entscheidungsrahmen; die tatsächlichen Mechanismen regeln die produktspezifischen rechtlichen Unterlagen.
Teste dich selbst
Ein Zertifikat über 10.000 € begrenzt den Gewinn nach einem Jahr auf 8 %. Wie hoch ist der Maximalwert vor Kosten, wenn der Emittent zahlt?
Der zugrunde liegende Index steigt, aber der Emittent des Zertifikats fällt aus. Welches Risiko ist entscheidend?
Welche Szenarien gehören in eine Auszahlungsrekonstruktion? Wähle alle zutreffenden Antworten.
Ein Barriere-Zertifikat wird als bedingt geschützt beworben. Warum ist diese Bezeichnung unvollständig?
Quellen
- EUR-Lex — PRIIPs-Verordnung (EU) Nr. 1286/2014, https://eur-lex.europa.eu/legal-content/EN/ALL/?uri=CELEX%3A02014R1286-20240109 (konsolidierte Fassung 2024)
- ESMA — Strukturierte Retailprodukte: der EU-Markt, https://www.esma.europa.eu/sites/default/files/trv_2018_2-structured_retail_products_the_eu_market.pdf (2018)
- BaFin — Anlagezertifikate: Ergebnisse der Marktumfrage, https://www.bafin.de/SharedDocs/Veroeffentlichungen/EN/Fachartikel/2025/meldung_25_05_21_Anlage_Zertifikate_en.html (2025)