Anlageklassen
Eine Anlageklasse ist eine Gruppe von Investments mit ähnlichem Risiko, ähnlichem Renditeverhalten und ähnlicher Reaktion auf wirtschaftliche Ereignisse. Die vier für ein deutsches Portfolio wichtigsten Anlageklassen sind Aktien, Anleihen, Immobilien und Cash-Äquivalente (Tagesgeld, Festgeld). Jede reagiert unterschiedlich auf Zinsen, Inflation und Konjunkturzyklen.
Warum das wichtig ist
Ein Portfolio, das nur aus einer einzigen Anlageklasse besteht, trägt das volle Risikoprofil dieser Klasse: Aktien können in einem Abschwung 30-50 % ihres Werts verlieren, Anleihen reagieren auf Zinsbewegungen, und Immobilien sind illiquide und auf einen einzigen Markt konzentriert. Zu erkennen, zu welcher Anlageklasse ein Instrument gehört, kommt vor dem Produktvergleich, vor der Beurteilung, ob ein Portfolio diversifiziert ist, und vor der Unterscheidung zwischen Investieren und Spekulieren. Es ist ein Einordnungswerkzeug, keine Rangliste — keine Anlageklasse ist grundsätzlich überlegen, sondern nur mehr oder weniger geeignet für einen bestimmten Anlagehorizont und eine bestimmte Risikotoleranz.
Rechenbeispiele
1. Instrumente den Klassen zuordnen. Ein Portfolio über 50.000 € könnte 30.000 € in einem globalen Aktien-ETF halten (Anlageklasse: Aktien), 10.000 € in einem deutschen Staatsanleihen-ETF (Anlageklasse: Anleihen) und 10.000 € auf einem Tagesgeldkonto (Anlageklasse: Cash-Äquivalente). Jeder Euro gehört zu genau einer Klasse, je nachdem, was er grundsätzlich ist — ein Eigentumsanteil, ein Darlehen oder sofort verfügbares Bargeld — nicht danach, welches Produkt ihn verpackt.
2. Gleiche Klasse, unterschiedliche Verpackung. Die Aktie eines einzelnen im DAX gelisteten Unternehmens zu kaufen und einen globalen Aktien-ETF zu kaufen fallen beide in die Anlageklasse Aktien: Beide stellen Eigentumsanteile an Unternehmen dar und tragen dieselbe grundsätzliche Risikoart (Unternehmens- und Marktrisiko), auch wenn der eine Fall einen einzelnen Titel betrifft und der andere dieses Risiko auf Hunderte Unternehmen streut. Einen REIT (Real Estate Investment Trust, ein Fonds, der Immobilien hält und Mieteinnahmen ausschüttet) zu kaufen und direkt eine Wohnung zu kaufen fallen beide in die Anlageklasse Immobilien, auch wenn der eine Fall in Minuten an der Börse abgewickelt wird und der andere Monate und einen Notar braucht.
| Anlageklasse | Was sie darstellt | Typisches Verhalten |
|---|---|---|
| Aktien | Eigentumsanteil an einem Unternehmen | Höheres langfristiges Wachstumspotenzial, höhere kurzfristige Schwankungen |
| Anleihen | Darlehen an ein Unternehmen oder einen Staat | Planbarer Kupon; Kurs bewegt sich gegenläufig zu den Zinsen |
| Immobilien | Physisches Eigentum oder ein Anspruch darauf | Illiquide bei Direktbesitz; Mieteinnahmen plus langfristige Preisentwicklung |
| Cash-Äquivalente | Tagesgeld, Festgeld, Geldmarkt | Kapitalstabil; Rendite folgt dem aktuellen Zinsniveau |
Teste dich selbst
Du kaufst Aktien eines einzelnen im DAX gelisteten Unternehmens und daneben einen globalen Aktien-ETF. Zu welcher Anlageklasse gehört jeweils dein Kauf?
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Ein REIT (Real Estate Investment Trust) wird an der Börse gehandelt und lässt sich in Minuten kaufen, genau wie eine Aktie. Eine Wohnung direkt zu kaufen dauert Monate. Zu welcher Anlageklasse gehört der REIT?
Ein Portfolio hält 30.000 € in einem globalen Aktien-ETF, 10.000 € in einem Staatsanleihen-ETF und 10.000 € auf einem Tagesgeldkonto. Wie viel Prozent des 50.000-€-Portfolios entfallen auf die Anlageklasse Aktien?