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Home Bias

Level 3 · Fortgeschritten
BegriffHome Bias

Home Bias ist die Tendenz, einen unverhältnismäßig großen Anteil eines Portfolios in inländische Anlagen zu stecken, weit über das hinaus, was der Marktanteil dieses Landes an den globalen Märkten rechtfertigen würde. Das zeigt sich als übergroße Gewichtung deutscher Aktien, deutscher Immobilien oder in Euro gehaltener Ersparnisse gegenüber einem global gestreuten Vergleichsmaßstab – getrieben von Vertrautheit und Informationsverfügbarkeit, nicht von einer bewussten Risikoentscheidung.

Warum das wichtig ist

Home Bias ist eine spezifische, verbreitete Form des Klumpenrisikos: Die Exponierung konzentriert sich auf ein Land statt auf ein Unternehmen oder eine Branche. Das ist wichtig, weil sich das oft hinter einem auf den ersten Blick sinnvollen Portfolio versteckt – ein Depot mit zwanzig verschiedenen deutschen Unternehmen wirkt auf den ersten Blick breit gestreut, dabei teilen sich alle diese Unternehmen dieselbe Währung, dieselbe Volkswirtschaft und dasselbe regulatorische Umfeld. Home Bias zu erkennen macht aus Diversifikation mehr als nur ein allgemeines Prinzip: einen Check nach Geografie, nicht nur nach Anzahl der Positionen.

Baust du als Einwanderer dein Portfolio in Deutschland auf, trifft dich das gleich aus zwei Richtungen – ein Sog zu deutschen Anlagen, weil sie jetzt die vertrauten, vor Ort sichtbaren sind, und die restliche Exponierung im Heimatland, die du von vor dem Umzug mitbringst. Keins von beidem ist für sich genommen irrational; das Risiko ist, nicht zu bemerken, wie viel vom Gesamtvermögen in der Volkswirtschaft eines einzigen Landes steckt.

Rechenbeispiel

Vergleich: tatsächliche Allokation gegen marktgewichtete Allokation. Angenommen, Deutschland macht beispielhaft 3 % des globalen Aktienmarktwerts aus, aber das Aktienportfolio eines Anlegers im Wert von 40.000 € hält 16.000 € in deutschen Unternehmen – 40 % der Gesamtsumme. Dieser Anleger hält damit etwa das 13-Fache von Deutschlands Marktgewicht in inländischen Aktien, sodass sich die übrigen 97 % der weltweit gelisteten Unternehmen die verbleibenden 60 % des Portfolios teilen.

AllokationAnteil deutscher AktienAnteil Rest der Welt
Beispielhaftes globales Marktgewicht3 %97 %
Tatsächliches Portfolio des Anlegers40 %60 %

Eine deutsche Konjunkturschwäche, die die inländischen Aktienwerte um beispielhafte 20 % senkt, kostet diesen Anleger 20 % x 16.000 € = 3.200 €. Dieselbe Schwäche, beschränkt auf Deutschland, würde ein marktgewichtetes Portfolio nur 20 % x 3 % x 40.000 € = 240 € kosten – weil der Rest dieses Portfolios in Unternehmen steckt, deren Geschäft nicht an die deutsche Volkswirtschaft gekoppelt ist. Keine der beiden Allokationen ist automatisch richtig: Ein marktgewichtetes Portfolio bringt eigene Trade-offs bei Währung und Informationslage mit sich, aber die Lücke zwischen 40 % und 3 % zeigt, wie groß die Wette auf ein einzelnes Land ist – ob diese Wette absichtlich eingegangen wurde oder nicht.

Teste dich selbst

Ein Anleger hält 35 % seines Aktienportfolios in Aktien aus seinem Heimatland, dessen tatsächliches Gewicht an den globalen Aktienmärkten etwa 4 % beträgt. Was zeigt diese Lücke am besten?

Das Heimatland eines Anlegers macht beispielhaft 3 % des globalen Aktienmarktwerts aus. Sein Aktienportfolio im Wert von 50.000 € hält 22.500 € in Aktien aus dem Heimatland (45 % der Gesamtsumme). Ein Abschwung senkt die Werte der Aktien aus dem Heimatland um 25 %. Wie viele Euro verliert der Anleger durch diesen Abschwung, wenn der Rest des Portfolios (Unternehmen außerhalb des Heimatlandes) davon unberührt bleibt?

Welche der folgenden Aussagen über Home Bias treffen zu? Wähle alle zutreffenden aus.