Gleitpfad
Ein Gleitpfad ist ein festgelegter Zeitplan, der die Aktien-Anleihen-Mischung eines Portfolios im Zeitverlauf verschiebt, meist hin zu mehr Anleihen, je näher ein Zieldatum rückt. Er macht aus dem vagen Gefühl „mit näherndem Ruhestand wird es sicherer" eine konkrete, vorab festgelegte Regel – meist eingebaut in Zieldatums- und Lifecycle-Fonds, statt fondsweise neu entschieden zu werden.
Warum das wichtig ist
Der Anlagehorizont eines Sparers (die Zeitspanne, bis das Geld gebraucht wird) schrumpft jedes Jahr um ein Jahr, und das Humankapital (die künftige Erwerbsfähigkeit, die einer arbeitenden Person noch bleibt) nimmt mit näherndem Ruhestand meist ab – beides spricht dafür, im Zeitverlauf weniger Aktien und mehr Anleihen zu halten. Ein Gleitpfad setzt diese Verschiebung um: Er nutzt Diversifikation über Anlageklassen hinweg als Hebel und verschiebt die Mischung nach einem Zeitplan, statt die Aufteilung jedes Jahr neu von Grund auf zu überdenken.
Weil der Zeitplan im Voraus feststeht, nimmt ein Gleitpfad auch die tagesaktuelle Markteinschätzung aus der Gleichung: Die Aufteilung an einem bestimmten Tag hängt von den verbleibenden Jahren ab, nicht davon, was die Märkte letzte Woche gemacht haben.
Rechenbeispiel
Ein illustrativer Gleitpfad für ein Zieldatum. Nur beispielhafte Aufteilungen – tatsächliche Gleitpfade von Fonds unterscheiden sich je nach Anbieter und werden hier nicht empfohlen.
| Jahre bis zum Zieldatum | Beispielhafter Aktienanteil | Beispielhafter Anleihenanteil |
|---|---|---|
| 35 Jahre (z. B. Alter 30) | 90 % | 10 % |
| 15 Jahre (z. B. Alter 50) | 70 % | 30 % |
| 0 Jahre (z. B. Alter 65) | 40 % | 60 % |
Angewendet auf ein Portfolio von 50.000 €: Bei 35 Jahren bis zum Zieldatum zeigt der Zeitplan 90 % x 50.000 € = 45.000 € in Aktien und 5.000 € in Anleihen. Am Zieldatum zeigt dieselbe Regel 40 % x 50.000 € = 20.000 € in Aktien und 30.000 € in Anleihen – der Eurobetrag kann in diesen Jahren gewachsen oder geschrumpft sein, aber die Anteile folgen dem vorab festgelegten Zeitplan, unabhängig von der Größe des Portfolios.
Die Verschiebung von 90/10 zu 40/60 ist keine einmalige Umschichtung an einem einzigen Tag; sie geschieht schrittweise über die dazwischenliegenden Jahre – und genau das unterscheidet einen Gleitpfad von einer einmaligen Rebalancing-Entscheidung.
Teste dich selbst
Was beschreibt einen Gleitpfad am besten?
Ein Gleitpfad-Zeitplan sieht zu einem bestimmten Zeitpunkt eine Aufteilung von 60 % Aktien / 40 % Anleihen vor. Das Portfolio ist 80.000 € wert. Wie viele Euro entfallen laut Zeitplan auf Anleihen?
Welche der folgenden Aussagen über die typische Funktionsweise eines Gleitpfads sind zutreffend? Wähle alle zutreffenden Antworten aus.
Eine Sparerin verkauft eine Woche vor ihrer Verrentung alle Aktien in einer einzigen Transaktion und kauft Anleihen. Ist das ein Beispiel dafür, einem Gleitpfad zu folgen?